Bakterien aus Permafrost verschärfen Antibiotikaresistenzen

Resistenzen gegen antimikrobielle Mittel sind eine zunehmende gesundheitliche Bedrohung, doch sind diese keine ausschließliche Folge der modernen Medizin. Aus einer aktuellen Studie geht hervor, dass resistente Erreger schon vor vielen tausend Jahren existierten. Ein Forscherteam hat nämlich ein Bakterium in einer Eishöhle in Rumänien entdeckt, das bereits seit 5.000 Jahren eingefroren war und trotzdem gegen viele moderne Antibiotika resistent ist.

Das Team um Cristina Purcarea von der rumänischen Akademie der Wissenschaften in Bukarest hat im Rahmen der neuen Studie Bakterien aus einem der größten unterirdischen Eisreservoire Europas isoliert und deren Empfindlichkeit gegenüber 28 heute gebräuchlichen Antibiotika aus zehn Wirkstoffklassen getestet. Unter anderem wirkten weder Vancomycin, das bei lebensbedrohlichen Infektionen mit multiresistenten Keimen eingesetzt wird, noch Ciprofloxacin, ein Fluorchinolon-Reserveantibiotikum gegen schwere systemische Infektionen.

„Der aus der Scarisoara-Eishöhle isolierte Bakterienstamm zeigt trotz seines uralten Ursprungs eine Resistenz gegenüber zahlreichen modernen Antibiotika”, berichtet Purcarea. Eine zentrale Annahme der Mikrobiologie, dass Antibiotika-Resistenzen kein ausschließliches Produkt der modernen Medizin sind, wurde damit bestätigt.

Die hohe Zahl der verschiedenen Resistenzgene, die die Wissenschaftler:innen im Erbgut des Mikroorganismus fanden, unterstreicht die Gefahr, die von Gletscher, Permafrost oder unterirdischen Eisreservoiren ausgeht. Sollten diese wegen der steigenden Temperaturen auftauen,  könnten solche Gene wieder in die Biosphäre gelangen. „Diese Resistenzgene könnten auf heutige Krankheitserreger übertragen werden und so das globale Problem der Antibiotikaresistenz verschärfen”, warnt Purcarea.

Neben der nicht klar zu beziffernden Gefahr, bergen die uralten Mikroben aber auch Chancen. So konnten die Forschenden elf Gene identifizieren, die das Wachstum anderer Bakterien, Pilze oder Viren hemmen können, darunter auch antibiotikaresistente Keime. Zudem wurden knapp 600 Gene mit bislang unbekannter Funktion identifiziert.

NTV

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