Presseschau

20.09.2019: Antibiotikaresistenzen in Schwellenländern massiv

Antibiotikaresistenzen nehmen in den Schwellenländern massiv zu. Das konnten Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) in Zusammenarbeit mit der Princeton University und der Freien Universität Brüssel anhand zahlreicher Daten zu Resistenzen bei den Krankheitserregern Salmonella, E. Coli, Campylobacter, Staphylococcus aureus aus Süd- und Mittelamerika, Afrika und Asien zeigen. Die Ergebnisse lassen sich auf einer interaktiven Karte unter resistancebank.org einsehen. Demnach sind Tiere im Nordosten Chinas, in Teilen Indiens und des südlichen Brasiliens sowie des Iran und der Türkei am stärksten von Antibiotikaresistenzen betroffen. Ein Grund für den Anstieg der Resistenzen sehen die Forscher in der starken Zunahme des Fleischkonsums und somit der Tierhaltung in den entsprechenden Ländern. Häufig

werden zu hohe Besatzdichten und mangelnde Hygienemaßnahmen durch ungelenkten Antibiotikaeinsatz ausgeglichen. Die Kontrolle von zu hohem und inadäquatem Einsatz von Antibiotika kann vor Ort häufig nicht geleistet werden. ETH-Forscher Thomas Van Boeckel bemerkt, dass Antibiotika-Resistenzen ein globales Problem seien und es nicht ausreiche, in Industrieländern die Resistenzentwicklung zu bremsen: "Es ergibt keinen Sinn, mit beträchtlichem Aufwand auf der einen Seite der Erde Antibiotikaresistenzen einzudämmen zu versuchen, während sie auf der anderen Seite massiv steigen." Ein Problem bei der Erstellung der Datenbank seien teilweise löchrige Daten in beispielsweise Südamerika gewesen. Die Datenbank soll stetig ergänzt werden und bietet dafür die Möglichkeit für Selbsteintragungen von Tiermediziner und Behörden aus den Regionen auf resistancebank.org.

ETH Zürich


Resistance bank


Vetmab - Antibiotikaminimierung in der Nutztierhaltung

13.09.2019: Antibiotikaentwicklung benötigt Unterstützung

Zahlreiche internationale Unternehmen ziehen sich von der Antibiotikaentwicklung zurück, das ergaben Recherchen des NDR. Weltweit nehmen die Resistenzen gegen Antibiotika jedoch weiter zu. Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen in Deutschland (vfa) fordert eine stärkere finanzielle Unterstützung der Entwicklung neuer Antibiotika: „Fakt ist, dass sich die Entwicklung neuer Antibiotika kaum refinanzieren lässt, da diese nur im Notfall eingesetzt werden sollen.

Deshalb muss das Anreizsystem zur Entwicklung von Antibiotika in Europa und in Deutschland verbessert werden“, so Dr. Siegfried Throm, Geschäftsführer des vfa. Auf den Internetseiten des vfa findet sich ein Überblick über Förderprogramme zur Entwicklung neuer antibakterieller Medikamente sowie zu den derzeit in der Entwicklung befindlichen Antibiotika.

Programme zur Förderung der Entwicklung neuer Antibiotika


Überblick: Antibiotika, die sich gerade in der Entwicklung befinden


Antibiotikaminimierung in der Nutztierhaltung

12.09.2019: Multimodale Behandlungsansätze für TierärztInnen

In der Humanmedizin ist die Integrative Medizin bereits weit verbreitet und vielfach gelebte Realität. Aber auch in der Veterinärmedizin gewinnen multimodale Behandlungsansätze zunehmend an Bedeutung, nicht zuletzt, da komplementäre und ergänzende Therapiemethoden immer mehr von den Tierhaltern eingefordert werden. Daher bietet Myvetlearn.de jetzt dazu eine spannende eLearning-Reihe an! Das 1. Modul beginnt am 5. Oktober 2019 und behandelt schwerpunktmäßig die Arthrose beim Hund. Es wird jedoch auch auf die Katze eingegangen. Neben einem allgemeinen Vortrag zur Arthrose und der Diagnostik werden neben dem schulmedizinischen Behandlungsansätzen auch die Thrombozytentherapie, die Phytotherapie sowie

Biologische Therapien besprochen. Weitere multimodale Therapieansätze und daher Bestandteil der Online-Fortbildung sind die Goldimplantation, Physiotherapie, Chiropraktik und Osteopathie. Abgerundet wird dieses Modul durch Behandlungsansätze aus den Bereichen Homotoxikologie/Organotherapie. Selbstverständlich spielt aber auch die Fütterung bei der Behandlung eine Rolle, weshalb auch sie in dieser Fortbildung für Tierärztinnen und Tierärzte nicht fehlt. In weiteren Modulen werden nacheinander die Gesäugeerkrankungen der Hündin, Nierenerkrankungen der Katze und Lebererkrankungen von Hund und Katze behandelt. Das Programm und die Möglichkeit der Online-Anmeldung finden Sie unter www.Myvetlearn.de

Myvetlearn.de

05.09.2019: Weiterer Mechanismus der Resistenzübertragung

Schweizer Forscher haben einen neuen Mechanismus der Übertragung von Antibiotika- Resistenzen entdeckt, bei der sogenannte Schläfer-Bakterien, die Resistenzen weitergeben können. Klar war bereits bisher, dass resistente Keime dann enstehen, wenn es zu einer Antibiotikabehandlung kommt. Denn dann besitzen Bakterien, die ein Resistenzgen gegenüber dem angewendeten Wirkstoff besitzen einen klaren Überlebensvorteil. Deshalb ist die Verringerung des Antibiotikaeinsatzes wichtig zur Verhinderung der Resistenzentstehung. Die Forscher der ETH Zürich konnten zeigen, dass sogenannte Persister oder Schläfer-Bakterien ebenfalls zur Übertragung von Resistenzen beitragen können. Diese Persister verfallen in einen temporären Dämmerzustand und sind dann nicht mehr für Antibiotika zugänglich. Für

Salmonellen wurde nachgewiesen, dass die Bakterien in diesen Zustand übergehen können, wenn sie das Darminnere verlassen und in Körpergewebe übergehen. Später können sie aus diesem Dämmerzustand erwachen und nicht nur eine Infektion verursachen. Im Versuch mit Mäusen wurde nachgewiesen, dass die Bakterien die Resistenz an andere Mäuse und sogar andere Arten weitergeben können. Dazu werden die vorhandenen Plasmide sehr effektiv an andere empfängliche Bakterien weitergegeben. Der Austausch dieser Gene findet unabhängig vom Vorhandensein von Antibiotika statt. Die Forscher wollen, dass dies bei Mäusen mögliche Phänomen auch bei Nutztieren wie Schweinen, die häufig unter Salmonelleninfektionen leiden, weiter untersucht werden.

ETH Zürich

04.09.2019: Folgen der neuen EU-Tierarzneimittel-Verordnung

Mit der neuen EU-Verordnung über Tierarzneimittel werden ab 28. Januar 2022 erstmals EU-weit harmonisierte Vorschriften für Tierarzneimittel gelten. Bis dahin müssen jedoch noch weitere Rechtsvorschriften erlassen und nationale Gesetze angepasst werden. Über die Folgen der EU-weiten Harmonisierung der EU-Tierarzneimittel-Verordnung für Zulassungsbehörden, pharmazeutische Industrien und Tierärzte möchte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bei einem zweitägigen Symposium am 5. und 6. November 2019 in Berlin informieren. Fachleute aus dem In- und Ausland werden sich auch mit aktuellen Entwicklungen zur Sicherheit und Qualität von Tierarzneimitteln auseinandersetzen. U. a. wird es um die Frage gehen, wie die Qualität von Arzneimittelwirkstoffen gesichert werden kann, da die meisten

Wirkstoffe heute in China und Indien produziert werden. Gleichzeitig werden die notwendigen Anstrengungen diskutiert, die erforderlich sind, um unter den Bedingungen der Globalisierung die Sicherheit von Arzneimitteln zu gewährleisten. Außerdem wird die Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen im Fokus stehen. Am zweiten Veranstaltungstag wird es in erster Linie um die praktische Umsetzung der neuen Tierarzneimittel-Verordnung gehen. Welche Änderungen ergeben sich im Bereich Pharmakovigilanz, der Errichtung neuer europäischer Datenbanken und bei den Maßnahmen zur Begrenzung der Antibiotikaresistenzen? Verschiedene Diskussionsrunden am Ende einzelner Themenblöcke ermöglichen es allen Symposiumsteilnehmern, sich aktiv an der Konferenz zu beteiligen.

BVL

22.08.2019: Verordnungshäufigkeit von Antibiotika rückläufig

Immer weniger niedergelassene Ärzte verordnen systemische Antibiotika. Das zeigt die Versorgungsatlas-Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), die die Verordnungshäufigkeit von Antibiotika für gesetzlich Versicherte in Deutschland in den Jahren 2010 bis 2018 untersucht hat. Demnach wurden im Jahr 2018 noch 446 Verordnungen pro 1.000 Versicherte ausgestellt, was einen Rückgang von 21 Prozent im Vergleich zu 2010 (562 Verordnungen) bedeutet. Der stärkste Rückgang konnte bei Neugeborenen und Säuglingen bis ein Jahr (- 49%) und bei Kindern und Jugendlichen bis 14 Jahren ( - 41%) beobachtet werden.

Laut Dr. Jörg Bätzing, dem Leiter des Forscherteams, könnten die zahlreichen bundesweiten Initiativen zur Stärkung eines angemessenen Antibiotikaeinsatzes (bekannt unter der englischsprachigen Bezeichnung „Antibiotic Stewartship“) in Deutschland ein Grund für den Rückgang sein. Zudem konnte in nahezu allen KV-Bereichen und für die überwiegende Zahl der eingesetzten Wirkstoffgruppen ein deutlich rückläufiger Verbrauchstrend vermerkt werden. Starke Unterschiede in den Verordnungsraten unterstreichen die Bedeutung regional zugeschnittener Programme der KV-Bereiche zur Förderung eines rationalen Antibiotikaeinsatzes.

Versorgungsatlas

26.07.2019: Antibiotikaabgabe in der Tiermedizin weiter zurückgegangen

Auch im vergangenen Jahr ist die in Deutschland in der Tiermedizin abgegebene Menge an Antibiotika weiter leicht gesunken. In 2018 wurden insgesamt noch 722 Tonnen Antibiotika abgegeben. Dies entspricht einem Rückgang um 1,5 Prozent gegenüber 2017. Gegenüber der ersten Erhebung im Jahr 2011 ist die Abgabe um mehr als die Hälfte zurückgegangen, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mitteilt. Damals wurden noch 1.706 Tonnen abgegeben. Als besonders erfreulich wird bewertet, dass im vergangenen Jahr erstmals weniger Fluorchinolone und Cephalosporine der 3. und 4. Generation als 2011 abgegeben wurden. Im vergangenen Jahr sind bei diesen Wirkstoffklassen,

die als besonders wichtig für die Therapie beim Menschen gewertet werden, die Verbräuche stark zurückgegangen. Die Abgabe von Fluorchinolonen sank um 2,2 auf noch 9,9 Tonnen. Die Abgabe von Fluorchinolonen der 3. und 4. Generation sank um eine bzw. 0,6 Tonnen auf 1,3 bzw. 0,5 Tonnen. An der Spitze der abgegebenen Antibiotika stehen die Penicilline mit 271 Tonnen, gefolgt von den Tetrazyklinen mit 178 Tonnen. Betrachtet man die Abgabe regional, so ist im Bereich der Postleitzahlen, die mit 49 beginnen, mit rund 300 Tonnen insgesamt die größte Antibiotikamenge abgegeben worden. Dies ist der Bereich im nordwestlichen Niedersachsen um Cloppenburg, eine Region mit einer extrem hohen Tierdichte.

BVL

19.07.2019: Geflügelwirtschaft erarbeitet Antibiotika-Reduktionsziele

Die Deutsche Geflügelwirtschaft arbeitet an einem Konzept zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes in der Geflügelmast. Dies teilte der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) nach einem Treffen mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) mit. Die Ministerin hatte darauf hingewiesen, dass insbesondere in der Geflügelmast in den letzten Jahren im Gegensatz zu anderen Tierarten die Reduktion des Einsatzes von Antibiotika nicht gelungen ist und hatte hier dringenden Handlungsbedarf angemahnt. ZDG- Präsident Friedrich-Otto Ripke stellt klar, dass man die Ziele von Bundeslandwirtschafts- und Bundesgesundheitsministerium zur Reduktion von Antibiotika und insbesondere von Reserveantibiotika teile. In der Geflügelwirtschaft arbeitet man momentan an einer Minimierungsstrategie, deren Grundzüge man bei dem Treffen in dieser Woche

vorgestellt habe. „Um unsere ambitionierten Ziele umzusetzen, sind wir zwingend auf die Unterstützung der Politik angewiesen, so zum Beispiel bei der Zulassung neuer, innovativer Verfahren wie ,Competitive-Exclusion'-Kulturen oder Bakteriophagen", so Ripke. Das Prinzip der Behandlung mit "Competitive Exclusion"- Kulturen (CE) beruht darauf, die Besiedlung des Geflügeldarms mit unerwünschten oder resistenten Keimen zu erschweren. Dieses Verfahren, das in Zusammenarbeit mit der FU Berlin mit vielversprechenden Ergebnissen erprobt wurde, sowie die Anwendung mit Bakteriophagen müsste allerdings kurzfristig zugelassen oder in Pilotprojekten eingesetzt werden. Wir wollen unserer Verantwortung gerecht werden, brauchen hier aber auch tatkräftige und konstruktive Begleitschritte der Bundesregierung", betont der ZDG-Präsident.

ots

18.07.2019: Klöckner sieht Handlungsbedarf bei Einsatz von Reserveantibiotika in der Geflügelmast

Auf Grund der Entwicklung des Verbrauchs von Antibiotika sieht Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner besonders beim Einsatz von Reserveantibiotika beim Mastgeflügel dringenden Handlungsbedarf. Die Ministerin verwies vor dem Bundeskabinett darauf, dass zwischen 2014 und 2017 der Verbrauch von Antibiotika bei Mastferkeln, Mastschweinen, Masthühnern, Mastputen, Mastkälbern und Mastrindern insgesamt um 30 Prozent gesunken ist. Allerdings stellte sich die Entwicklung beim Mastgeflügel nicht so positiv dar. Hier sank der Verbrauch um vier bzw. ein Prozent bei Masthühnern bzw. Mastputen. Auch war der Anteil von Reserveantibiotika beim Mastgeflügel sehr hoch. Hier machten diese Wirkstoffe ungefähr 50 Prozent der insgesamt eingesetzten Antibiotika aus. Bei Schweinen und Rindern betrug der Anteil dagegen weniger als 10 Prozent. Klöckner hatte diese Zahlen als nicht akzeptabel bezeichnet und Vertreter der Geflügelwirtschaft zu einem Gespräch eingeladen, an dem auch das Bundesministerium für Gesundheit teilnahm. Dazu die Bundesministerin: „Jede Anwendung von Antibiotika kann die Entwicklung von Resistenzen nach sich ziehen. Den Einsatz bei Mensch und Tier müssen wir auf das absolut notwendige Maß

reduzieren. Strengste Anforderungen sind bei den so genannten Reserveantibiotika nötig. Sie sind Arzneimittel der letzten Wahl, werden verabreicht, wenn sonst nichts mehr wirkt. Nicht hinnehmbar ist deshalb, dass diese Wirkstoffe in der Geflügelmast so extensiv eingesetzt werden. Das kann schwerwiegende Auswirkungen auch auf die Humanmedizin haben – es geht um unser aller Gesundheit. An die Geflügelwirtschaft habe ich daher gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsminister die klare Erwartung, die Tiergesundheit in den Ställen so zu verbessern, dass mehrheitlich keine antibiotische Behandlung mehr notwendig ist. Wir fordern konkrete Maßnahmen ein. Fragen der Zucht, der Haltungsdichte, der Hygiene und vor allem des Betriebsmanagements spielen hier eine entscheidende Rolle. Denn klar ist: Es geht. Unser Evaluierungsbericht zum Antibiotikaeinsatz in der Tiermast zeigt, dass in Deutschland Geflügelmastbetriebe dauerhaft ohne Antibiotika auskommen. Die Branche nehme ich hier in die Pflicht. Die heute getroffene Vereinbarung, bis September einen ambitionierten Stufenplan zum Abbau der hohen Reserveantibiotikamengen vorzulegen, ist ein erster wichtiger Schritt.“

BMEL

10.07.2019: Neue Antibiotikaklasse ohne Resistenzbildung

Eine von französischen Forschern entwickelte neue Antibiotikaklasse macht Hoffnung, dass bei der Behandlung mit diesen Stoffen keine Resistenzen entstehen. Zudem gelang es mit den sogenannten Peptidomimetika sowohl Gram-positive als auch Gram-negative multiresistente Keime erfolgreich zu bekämpfen. Die Wirkstoffe imitieren dabei natürlicherweise vorkommende Peptide, wie eines, das u.a. in Staphylococcus (S.) aureus entdeckt wurde. Dieses zeigte sowohl antibiotische als auch toxische Wirkung. Durch Modifikation sollten die toxischen Eigenschaften entfernt und die antibiotischen verstärkt werden. Von insgesamt 20 entwickelten Wirkstoffen

prüften die Forscher von INSERM und der Universität Rennes nun zwei im Mausversuch. Dabei gelang es ihnen, erfolgreich resistente S. aureus und Pseudomona aeruginosa zu behandeln. Toxische Eigenschaften konnten nicht beobachtet werden. Auch konnte im Rahmen der Behandlung keine Resistenzbildung beobachtet werden. Daraufhin schufen die Wissenschaftler eine Umgebung, in der die Bildung von Resistenzen begünstigt wird. Auch hier konnte keine Resistenzbildung beobachtet werden. Allerdings weisen die Forscher darauf hin, dass der Untersuchungszeitraum zu kurz war, um hier endgültige Aussagen treffen zu können.

Science Daily