Presseschau

10.01.2019: Biogasanlagen können Antibiotikarückständen kaum etwas anhaben

Viele der zur Behandlung von Tieren eingesetzten Antibiotika, die über Urin und Kot in die Gülle gelangen, lassen sich selbst mit Biogasanlagen nicht beseitigen. Das ist das Ergebnis eines Untersuchung der Justus-Liebig-Universität Gießen. Obgleich der Antibiotika-Rückgang in Güllebehandlungsverfahren wie Lagern oder Kompostieren bereits in mehreren anderen Studien beschrieben worden ist, konnten die Gießener Forscher keine oder nur eine sehr geringe Beeinflussung der Wirkstoffe

durch unterschiedliche Temperaturen, Säure- und Salzgehalte feststellen. Lediglich beim Zusatz von einem Feststoff wie Maissilage, der auch in Biogasanlagen erfolgt, sei es zu einem Rückgang der Antibiotika-Konzentration gekommen. "Ein derartiger Rückgang, wie er auch in vorherigen Studien festgestellt wurde, heißt nicht unbedingt, dass die chemischen Strukturen zerstört und unwirksam werden", erklärt die Projektleiterin Astrid Spielmeyer.

DBU

21.12.2018: USA reduziert Antibiotikaeinsatz bei Nutztieren um mehr als 30 Prozent

In den USA sind im Jahr 2017 33 Prozent weniger Antibiotika bei Nutztieren eingesetzt worden als noch im Vorjahr. Das gab die US-Behörde "Food and Drug Administration" (FDA) bekannt. Demnach sank der Antibiotikaeinsatz um 3.600 Tonnen. Im Jahr 2017 wurden

noch rund 11.000 Tonnen eingesetzt. Als Grund für den geringeren Verbrauch wird das neue Verbot angesehen, was den Einsatz von Antibiotika als Leistungsförderer untersagte. In Europa gilt gilt dieses Verbot bereits seit 2006.

Animal Drug Report 2017

21.12.2018: Tierversuche bleiben in der medizinischen Forschung unverzichtbar

Auch in Zukunft werden Tierversuche im Rahmen der medizinischen Forschung zur Entwicklung wirksamer und sicherer Therapien notwendig bleiben. Darauf weist der Verband "Deutsche Hochschulmedizin e.V." hin. Tierversuche stellen einen wichtigen Bestandteil der medizinischen Grundlagenforschung und Therapieentwicklung dar. Sie würden die Vorstufe vieler klinischer Studien darstellen und so den Transfer von Erkenntnissen in die Regelversorgung ermöglichen. Der Verband verweist zudem darauf,

dass viele medizinische Durchbrüche z.B. im Bereich der Krebsforschung erst durch Tierversuche ermöglicht wurden. Zudem wird auf die bestehenden, strengen Vorgaben für Tierversuche in Deutschland hingewiesen. Tierversuche müssen hier genehmigt und dürfen nur angewendet werden, wenn nachweislich kein anderes Verfahren zur Verfügung steht, um die wissenschaftliche Fragestellung zu bearbeiten.

idw

19.12.2018: Großes Angebot an Online-Fortbildungen für Tierärzte und TFAs

Für Tierärztinnen und Tierärzte besteht in Deutschland Fortbildungspflicht. Je nach Qualifikation und Spezialisierung müssen pro Jahr 20 bzw. 40 anerkannte Fortbildungsstunden absolviert werden, die auf Wunsch der zuständigen Tierärztekammer zu dokumentieren sind. Diese Fortbildungsstunden können je nach Tierärztekammer ganz oder teilweise als

Online-Fortbildungen erbracht werden. Hierzu findet sich ein großes Angebot an Online-Fortbildungen unter www.Myvetlearn.de. Kostenlose Online-Fortbildungen für Tierärztinnen und Tierärzte zum Thema Antibiotika-Minimierung im Stall finden sich unter www.VetMAB.de. Online-Fortbildungen für Tiermedizinische Fachangestellte werden unter www.tfa-fortbildung.de angeboten.

Myvetlearn.de


VetMAB - Antibiotika-Minimierung im Stall


TFA-Fortbildung.de

28.11.2018: Mit Bakterien-Vesikeln gegen Infektionskrankheiten

Weltweit wird aufgrund der zunehmenden Antibiotika-Resistenzen nach neuen Therapien gegen Infektionskrankheiten gesucht. Dabei sind Wissenschaftler im Saarland auf Bakterien-Vesikel des Bodenkeimes Cystobacter velatus aufmerksam geworden. Am Saarbrücker Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) wurden diese Vesikel genauer untersucht. Diese werden vom Bakterium durch Ausstülpung der Membran freigesetzt und enthalten den antibiotisch wirksamen Stoff

Cystobactamid. In Versuchen konnten die Forscher nachweisen, dass die Behandlung von Zellkulturen menschlicher Zellen keinen toxischen Effekt auf die menschlichen Zellen hat. Zudem konnten sie zeigen, dass Cystobactamid die Fähigkeit besitzt, E. coli abzutöten. Die Forscher weisen allerdings darauf hin, dass sie bisher in sehr einfachen Systemen gearbeitet haben. Zukünftig wollen sie die Versuche in komplexeren Systemen durchführen, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen.

idw

27.11.2018: EU-Rat stimmt Tierarzneimittel-Paket zu

Der Rat der Europäischen Union hat heute das Tierarzneimittel-Paket mit zwei neuen Verordnungen zu den Bereichen Tierarzneimittel und Herstellung, Inverkehrbringen und Verwendung von Arzneifuttermitteln sowie Änderungen an den geltenden Vorschriften zur Festlegung von Verfahren für die Genehmigung und Überwachung von Human- und Tierarzneimitteln und zur Errichtung einer Europäischen Arzneimittel-Agentur angenommen. Die Verordnungen sollen den bestehenden Rechtsrahmen für Tierarzneimittel und Arzneifuttermittel durch eine Anpassung an die Besonderheiten des Bereichs Tiergesundheit aktualisieren. Mit dem Paket sollen weiterhin der Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier, des Wohlbefindens der Tiere, der Lebensmittelsicherheit und der Umwelt gewährleistet werden; darüber hinaus wird insbesondere angestrebt, die Verfügbarkeit von Tierarzneimitteln in der EU zu

steigern, die Funktionsweise des EU-Marktes zu verbessern, den Verwaltungsaufwand zu verringern und Innovation zu fördern. Zudem ist das Paket ein wichtiger Meilenstein bei der Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen, da der Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe bei Tieren besser geregelt wird. U.a. wird die Anwendung bei Tieren, die noch nicht krank sind, aber krank werden könnten, weiter eingeschränkt. Dies gilt sowohl für die Prophylaxe als auch für die Metaphylaxe. Außerdem bleiben bestimmte wichtige antimikrobielle Stoffe der Behandlung bestimmter Infektionen bei Menschen vorbehalten. Der Rat und das Europäische Parlament müssen die angenommenen Verordnungen jetzt noch unterzeichnen. Die unterzeichneten Texte werden anschließend im EU-Amtsblatt veröffentlicht und 20 Tage später in Kraft treten. Allerdings werden die neuen Vorschriften erst ab Ende 2021 vollständig zum Tragen kommen.

EU-Rat

22.11.2018: Tarnkappe von MRSA-Keimen entdeckt

Es ist ein Durchbruch bei der Entschlüsselung multiresistenter Krankheitskeime gelungen. So konnten jetzt Forscherinnen und Forschern der Universität Tübingen und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) die Struktur und Funktion eines bislang unbekannten Proteins aufklären, mit dessen Hilfe sich Erreger wie beispielsweise Methicillin resistente Staphylococcus aureus-Stämme (MRSA) gegenüber dem menschlichen Immunsystem wie mit einer Tarnkappe schützen. Wie sie im Fachmagazin Nature schreiben, haben viele MRSA-Keime ein bislang unbekanntes Protein erworben, mit dem sie sich vor dem Immunsystem des Wirtes tarnen konnten. Die Wissenschaftler haben das Protein TarP (kurz für teichoic acid ribitol P) getauft. "TarP verändert das Muster von Zuckermolekülen auf der

Erregeroberfläche auf eine bislang unbekannte Weise“, erklärte Professor Andreas Peschel vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin der Universität Tübingen. Dies führt dazu, dass das Immunsystem keine Antikörper gegen das wichtigste MRSA-Antigen, die Teichonsäure, bilden kann. Damit ist es im Kampf gegen die Erreger nutzlos. Die Forscher gehen davon aus, dass die bakterielle Tarnkappe das Ergebnis einer Auseinandersetzung zwischen den Krankheitserregern und sogenannten Phagen ist. Gelingt es bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe TarP zu blockieren, so können die MRSA-Keime wieder vom Immunsystem erkannt und bekämpft werden. „Die nun vorliegenden Ergebnisse werden uns helfen, bessere Therapien und Impfstoffe gegen die Erreger zu entwickeln,“ so Peschel.

Universität Tübingen

13.11.2018: Pharmaindustrie rechnet mit 18 neuen Antibiotika bis 2020

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI) rechnet damit, dass bis zum Jahr 2020 in Deutschland 18 neue Antibiotika zugelassen werden, die zum Teil auch gegen resistente Keime wirksam sind. Die rund 33.000 Menschen, die in Europa jedes Jahr an Infektionen mit multiresistenten Keimen sterben, sieht man beim BPI als einer der größten Herausforderungen unserer Zeit. Als Maßnahmen sieht

man beim BPI einerseits die Erforschung neuer antibiotischer Wirkprinzipien und die Vermeidung des falschen Einsatzes von Antibiotika. Aber auch auf der Weiterentwicklung bekannter Wirkstoffe und dem Ausschöpfen sämtlicher Therapiemöglichkeiten müsse ein Fokus gesetzt werden. Der BPI hat hierzu in einem Positionspapier aktuelle Probleme beleuchtet und auch notwendige Maßnahmen aufgezeigt.

BPI

09.11.2018: Neue Antibiotika gegen multiresistente Bakterien warten auf Zulassung

Anlässlich der in der kommenden Woche ausgerufenen Weltantibiotikawoche hat der Verband der forschenden Pharma- Unternehmen (vfa) mitgeteilt, dass in den kommenden Monaten zwei neue Antibiotika, die jeweils Resistenzen bei bestimmten Bakterien überwinden, auf den Markt gebracht werden könnten. Nach dem jetzigen Informationsstand hat eines der Antibiotika die EU- Zulassung im Oktober 2018 erhalten, das andere erhielt im September 2018 eine Zulassungsemfehlung. In der Zulassungsphase sind noch drei weitere Antibiotika. 19 antibakterielle Medikamente, die fast alle gegen bestimmte multiresistente Bakterien wirken, werden derzeit erprobt.

Zur Schließung der therapeutischen Lücke ist es jedoch noch ein weiter Weg. Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des vfa, sagt dazu: „Die Anstrengungen zur Entwicklung neuer Antibiotika müssen gesteigert werden, damit die Medizin dauerhaft Resistenzen begegnen kann. Doch für viele denkbare Antibiotika-Projekte ist ungeklärt, wie Unternehmen sie refinanzieren könnten; die resultierenden Produkte sollen ja später so selten wie möglich zum Einsatz kommen. Neue Finanzierungsmodelle werden gebraucht.“ Sehr wichtig sei auch ein verantwortungsvoller Umgang mit den auf dem Markt befindlichen Antibiotika, so Fischer weiter.

idw

08.11.2018: Umweltbundesamt fordert verstärkten Kampf gegen Antibiotika und Antibiotikaresistenzen in der Umwelt

Das Umweltbundesamt (UBA) fordert von den Mitgliedsstaaten der EU einen verstärkten Kampf gegen Antibiotika und Antibiotikaresistenzen (AMR) in der Umwelt und hat dazu sieben Maßnahmenschwerpunkte vorgestellt. Jutta Klasen vom UBA verweist auf den "One Health Action Plan on AMR" der EU. Dieser befasst sich jedoch vornehmlich mit dem Problem im Bereich Human- und Veterinärmedizin. Im UBA ist man jedoch der Meinung, dass er die Umwelt bisher nicht genügend berücksichtigt. Allerdings sind auch Boden und Wasser Entstehungsorte von Antibiotikaresistenzen, weshalb diese Risiken richtig identifiziert, gemanagt und minimiert werden müssten. Dazu hat das UBA im wissenschaftlichen Hintergrundpapier sieben Handlungsprioritäten benannt. Neben der Begrenzung des Antibiotikaeinsatzes bei Mensch und Tier auf das medizinisch notwendige Maß

und der Schulung von Ärzten, Apothekern, Tierärzten und Landwirten über das Thema Antibiotika in der Umwelt gehört auch ein Verbot des Aufbringens von unbehandeltem Klärschlamm auf den Boden dazu. Zudem sollten besonders in größeren Städten die Abwasserbehandlungsanlagen technisch aufgerüstet werden, da diese oftmals Brennpunkte für die Freisetzung von Antibiotikaresistenzen darstellen. Auch sollten Überwachungsrichtlinien und Bewertungskonzepte für die Überwachung der Antibiotikaresistenz in Oberflächen- und Badegewässern entwickelt werden. Im Boden sollten auf ausgewählten Ackerflächen die Verbreitung von Antibiotikarückständen und antibiotikaresistenten Keimen überwacht und vorsorgliche Grenzwerte für Antibiotika, Kupfer und Zink im Boden entwickelt werden.

Umweltbundesamt