Presseschau

18.08.2017: Erstmals Resistenz gegen Toltrazuril bei Cystoisospora suis bei Schweinen in Holland nachgewiesen

Der Parasit Cystoisospora suis ist in europäischen Ferkelbetrieben weit verbreitet und verursacht vor allem bei neugeborenen Ferkeln Durchfall. Diese werden dann nicht selten zu Kümmerern. Präventiv wird häufig Toltrazuril eingesetzt. Nun wurde aber erstmals eine Resistenz gegen Toltrazuril bei einem holländischen Isolat des Parasiten nachgewiesen. Aus Mangel an alternativen Wirkstoffen sollte zukünftig verstärkt auf Resistenzen kontrolliert und erhöhte Hygienemaßnahmen gegen die Verbreitung zum Einsatz kommen, empfehlen Wissenschaftler der Vetmeduni Vienna. Der Betrieb wurde näher untersucht, da er seit 2014 über eine erhöhte Durchfallrate neugeborener Ferkel trotz Behandlung mit Toltrazuril klagte. Aufgrund des Hinweises des holländischen Betriebes wurden Proben dieses Parasitenstammes mit Proben aus Wien verglichen, auf gegen Toltrazuril empfindlich waren. Zur

Bestätigung der Resistenz verabreichte das Forschungsteam verschiedene Dosen des Wirkstoffes, beginnend mit der vorgeschriebenen Menge von 20 mg/kg. Alle Ferkel, die mit dem holländischen Isolat infiziert waren, hatten unabhängig von der Dosis bereits ab dem 4. Tag nach der Infektion Durchfall. "Sogar eine Behandluung mit der doppelten Menge erzielte bei diesen Isolaten keine Wirkung“, so die Studienleiterin Anja Joachim. Er ist damit der erste bekannte Cystoisospora suis-Stamm, der nachweislich eine Resistenz gegen Toltrazuril entwickelt hat. Es müsse jedoch davon ausgegangen werden, dass solche Resistenzen künftig häufiger werden. Resistenzen gegen Toltrazuril beim Schwein können insofern zum Problem werden, da es derzeit keine praxistauglichen Alternativen zu diesem Wirkstoff beim Schwein gibt. Umso wichtiger seien erhöhte Hygienestandards und die Desinfektion der Stallgebäude und Arbeitsgeräte.

Vetmeduni Vienna

15.08.2017: Umfrage zur Bedarfsermittlung von Schulungsmaßnahmen im Bereich Umweltwirkungen von Tierarzneimitteln

In der Vergangenheit ist der Einsatz von Tierarztneimitteln bei Nutztieren und ihr Eintrag in die Umwelt immer häufiger in den Fokus geraten. Dabei spielen nicht nur die Wirkstoffe selbst, sondern auch ihre Stoffwechselprodukte sowie deren Halbwertszeiten eine Rolle. Zudem kommt im Zusammenhang mit dem Einsatz von Antibiotika auch noch die zunehmende Resistenzproblematik hinzu. Im Rahmen einer Masterarbeit an der Friedrich-

Wilhelms-Universität Bonn soll nun mit Hilfe einer Online-Umfrage der Bedarf für Schulungsmaßnahmen im Bereich Umweltwirkungen von Tierarzneimitteln ermittelt werden. Die Umfrage dauert ca. 10 Minuten und richtet sich an TierärztInnen und an in der Landwirtschaft tätige Personen. Alle Daten werden anonym behandelt und ausschließlich für die Auswertung einer wissenschaftlichen Arbeit verwendet.

Zur Umfrage

04.08.2017: Bewegungsgapparat von Bakterien als Ansatzpunkt von neuen Medikamenten

Die Zunahme an Antibiotikaresistenzen führt dazu, dass vielfach nach neuen Ansatzpunkten zur Behandlung bakterieller Infektionen gesucht wird. Forscher des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) haben sich hierbei auf gramnegative Bakterien und besonders auf Salmonellen konzentriert. Da viele dieser Bakterien Organellen wie Flagellen ausbilden, sieht man hier einen Ansatzpunkt. Denn die Flagellen werden von den Zellen zur Fortbewegung benötigt. Ohne diese können sie sich nicht zu Nahrungsquellen bewegen und auch nicht in Zellen eindringen. Die Forscher haben dabei ein Protein entdeckt, das für die Ausbildung der Flagellen verantwortlich ist. Wurde dieses Protein ausgeschaltet, konnten die Bakterien keine Flagellen mehr bilden und sich entsprechend nicht mehr fortbewegen. Die Forscher haben diesen Mechanismus

der Flagellenbildung am Beispiel von Salmonella enterica eingehend untersucht. Bei der Untersuchung mit Fluoreszenzfarbstoffen bemerkten sie, dass das Protein FliO nicht dauerhaft an der Flagellenverankerung an der Bakterienzelle sitzt. Es wandert offenbar nur zur Initiierung der Flagellenbildung an die Zellmembran und bewegt sich ansonsten frei in der Zelle. In einem Experiment wurde das Gen für das Protein dann ausgeschaltet und die Bakterien konnten keine Flagellen mehr ausbilden. Die Forscher gehen davon aus, dass FliO als eine Art Organisator bei der Flagellenbildung arbeitet. Deshalb sehen die Forscher hier einen möglichen Ansatzpunkt zur Entwicklung neuer antibakterieller Stoffe. Dies gilt zumindest für gramnegative Bakterien wie z.B. E. coli, Salmonellen oder auch Yersinien, die solche Flagellen ausbilden.

HZI

21.07.2017: Antibiotische Wachstumsförderer führen zu deutlich mehr multiresistenten Erregern

Hühner in Indien weisen eine große Zahl an Antibiotikaresistenzen auf. Diese sind vor allem auf den Einsatz von antibiotischen Wachstumsförderern zurückzuführen. Das fanden Forscher des Center for Disease Dynamics, Economics & Policy (CDDEP) bei Untersuchungen von Lege- und Masthühnern aus dem Bundesstaat Punjab heraus. Dazu wurden Proben von 530 Tiere in 18 Geflügelfarmen gesammelt und ausgewertet. In Indien werden ebenso wie in vielen anderen Ländern der Welt, u.a. der USA, weiterhin

Antibiotika als sogenannte Wachstumsförderer eingesetzt. Ihr Einsatz wird laut Experten wegen der steigenden Nachfrage weltweit sogar eher zu- als abnehmen. Studien sagen voraus, dass der Einsatz von Antibiotika in der Lebensmittelerzeugung bei Tieren bis 2030 weltweit um 67 Prozent zunehmen wird. Dabei zeigen die aktuellen Untersuchungen, dass die Proben aus solchen Betrieben drei Mal so häufig multiresistente Erreger aufwiesen wie Proben aus Betrieben, die keine Antibiotika zur Wachstumsförderung einsetzten.

CDDEP


pte

12.07.2017: Antibiotikaeinsatz bei Nutztieren in Belgien gesunken

Die Maßnahmen beim Bemühen, den Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung zu reduzieren und damit Resistenzen entgegen zu wirken, scheinen zu greifen. Wie aus dem BelVet-SAC-rapport (Belgian Veterinary Surveillance of Antibiotic Consumption) hervorgeht, konnte der

Antibiotikaeinsatz in der belgischen Nutztierhaltung 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 4,8 % gesenkt werden. Um mehr als die Hälfte (- 53 %) ging der Einsatz sogenannter kritischer Antibiotika zurück. Ebenfalls wurden weniger antibiotikahaltige Futtermittel eingesetzt (- 29 %).

BelVet-SAC-rapport

12.07.2017: Mehrheit für gleichen Anspruch auf Arzneimittel für Mensch und Tier

Die Mehrheit der Deutschen ist dafür, dass Haustiere den gleichen Anspruch auf Arzneimittel haben wie der Mensch. Dies geht aus einer Umfrage des europäischen Verbandes für Tiergesundheit hervor. 60 Prozent der Befragten stimmten in der Umfrage, die im Jahr 2016 in sechs europäischen Ländern durchgeführt wurde, der Aussage zu. Die Studie wollte Erkenntnisse über Wissen und Meinung der EU-Bürger über Tierarzneimittel und ihre Anwendung sammeln. Die Ergebnisse zeigen u.a. auch, dass die Akzeptanz vorbeugender Maßnahmen wie Impfung, Entwurmung und Behandlung gegen Ektoparasiten hoch ist. 67 Prozent der Befragten waren hier der Meinung, dass Haustiere regelmäßig geimpft werden sollten. 70 Prozent sprachen sich für eine regelmäßige Behandlung gegen Flöhe und Zecken aus und 83 Prozent waren für eine regelmäßige Entwurmung. Die Informationen zum Thema Tierarzneimittel, die durch die Medien transportiert werden, werden dagegen als

schlecht angesehen. Nur 18 Prozent fühlten sich hier gut informiert. So war 35 Prozent der Befragten nicht bekannt, dass Tierarzneimittel vor dem Verkauf getestet und geprüft werden müssen. Zudem war rund drei Fünftel der Befragten nicht bewusst, dass Tierarzneimittel den gleichen Sicherheitsstandards wie Arzneimittel für den Menschen unterliegen und von unabhängigen Wissenschaftlern bewertet und geprüft werden müssen, bevor sie in den Verkauf gelangen. Die wichtigsten Informationsquellen über den Einsatz von Tierarzneimittel bei Kleintieren stellen das Internet (58 Prozent) und der Tierarzt (51 Prozent) dar. Der Bundesverband für Tiergesundheit (BfT) sieht als Ergebnis der Studie einerseits, dass konkrete Maßnahmen beim Einsatz von Tierarzneimitteln auf eine hohe Akzeptanz stoßen. Andererseits bestehen Lücken im Wissen über Zulassungsregelungen und Kontrolle von Tierarzneimitteln.

BfT

10.07.2017: Kampf gegen Resistenzen in G20-Abschlußdokument

Der Bekämpfung von antimikrobiellen Resistenzen ist ein eigener Punkt im Abschlußdokument des G20-Gipfels in Hamburg gewidmet. Darin wird erklärt, dass der verantwortungsvolle Einsatz von Antibiotika in allen Bereichen gefördert werden soll und der Einsatz in der Tiermedizin allein auf therapeutische Zwecke begrenzt werden soll. Betreffend des Einsatzes bei Tieren wird allerdings klar gestellt, dass der Einsatz als Wachstumsförderer bei Tieren, die der Lebensmittelgewinnung dienen, nicht inbegriffen ist, solange hierfür keine Risikoanalyse vorliegt. Grundsätzlich sollten Behandlungen mit Antibiotika der

Verschreibungspflicht unterliegen. Zudem soll das Bewusstsein der Öffentlichkeit geschärft, Infektionsprävention und -kontrolle gestärkt und das Verständnis für das Thema Antibiotika in der Umwelt verbessert werden. Weiterhin sollen Forschung und Entwicklung ausgebaut werden. Dazu solle eine neue internationale Plattform ins Leben gerufen werden, um die Wirkung bestehender und neuer Initiativen in antimikrobieller Grundlagenforschung und klinischer Forschung sowie der Produktentwicklung zu maximieren.

G20 - Abschlußerklärung

30.06.2017: EU-Kommission beschließt neuen Aktionsplan gegen Antibiotika-Resistenzen

Die EU-Kommission hat am Donnerstag einen neuen Aktionsplan verabschiedet, mit dem die Entstehung von antimikrobiellen Resistenzen bekämpft werden soll. Dieser Aktionsplan richtet sich an die Humanmedizin und enthält Leitlinien zur Förderung des umsichtigen Einsatzes von Antibiotika beim Menschen. Denn allein in der EU werden Resistenzen jährlich für rund 25.000 Todesfälle und wirtschaftliche Schäden in Höhe von 1,5 Milliarden Euro verantwortlich gemacht. Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, sagte dazu: "Antimikrobielle Resistenzen sind eine wachsende weltweite Bedrohung, und wenn wir jetzt nicht mehr dagegen tun, könnten sie bis 2050 mehr Todesfälle

verursachen als Krebs." Der neue Aktionsplan basiert dabei auf drei Säulen. In der ersten Säule soll die EU als künftige Best-Practice-Region etabliert werden. Dazu müssen Daten, Koordinierung, Überwachung sowie die Kontrollen verbessert werden, um die Mitgliedsstaaten bei Aufstellung, Durchführung und Überwachung nationaler Aktionspläne zu unterstützen. Mit der zweiten Säule soll Forschung und Entwicklung gefördert werden. Dabei sollen neue Erkenntnisse über wirksame Bekämpfung und Überwachung von Infektionen inklusive der Diagnostik gewonnen werden. Bei der dritten Säule geht es darum, die Maßnahmen über die EU hinaus auf globaler Ebene umzusetzen und zu koordinieren.

EU-Kommission

29.06.2017: DVG benennt weitere Konsiliarlabore zur Diagnostik von Infektionserregern

Die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG) hat weitere Konsiliarlabore zur Diagnostik von Infektionserregern benannt. Eine Übersicht über die Labore findet sich auf der Webseite der DVG. Dies ist notwenig, da die Diagnostik von nach dem Tiergesundheitsgesetz anzeige- oder meldepflichtigen Tierseuchen von Nationalen Referenzlaboren vorgenommen wird. Bei nicht anzeige-, melde- oder untersuchungspflichtigen tierpathogenen Erregern, Zoonoseerregern oder lebensmittelübertragenen Pathogenen ist seit dem Inkrafttreten des Tiergesundheitsgesetzes 2014 jedoch eine unabhängige Qualitätskontrolle der Diagnostik nicht mehr vorgeschrieben. Daher besteht hier ein Bedarf an externer Qualitätssicherung. Diese Lücke wird durch die Konsiliarlabore der DVG

geschlossen. Die Ernennung der Labore erfolgt durch den Vorstand der DVG nach Ausschreibung und Bestenauswahl unter den Bewerbern. Die Ernennung ist auf vier Jahre befristet. Die fachliche Bewertung der Anträge erfolgt durch die DVG-Kommission zur Einrichtung von Konsiliarlaboren. Die Aufgaben der DVG-Konsiliarlabore umfassen unter anderem die Qualitätssicherung der Erregerdiagnostik z. B. durch die Bereitstellung von Referenzmaterial oder die Durchführung von Ringversuchen, die Weiter- und Neuentwicklung diagnostischer Verfahren, eine Mitwirkung bei der epidemiologischen Bewertung des Erregers, die Durchführung von wissenschaftlichen Studien zum Erreger und die fachliche Beratung der Tierärzte, Tiergesundheitsdienste, tiermedizinischen Fachgesellschaften, zuständigen Veterinärbehörden der Länder, des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, der Bundesforschungsinstitute und -ämter sowie ähnlicher Einrichtungen.

DVG Konsiliarlabore