Presseschau

13.11.2018: Pharmaindustrie rechnet mit 18 neuen Antibiotika bis 2020

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI) rechnet damit, dass bis zum Jahr 2020 in Deutschland 18 neue Antibiotika zugelassen werden, die zum Teil auch gegen resistente Keime wirksam sind. Die rund 33.000 Menschen, die in Europa jedes Jahr an Infektionen mit multiresistenten Keimen sterben, sieht man beim BPI als einer der größten Herausforderungen unserer Zeit. Als Maßnahmen sieht

man beim BPI einerseits die Erforschung neuer antibiotischer Wirkprinzipien und die Vermeidung des falschen Einsatzes von Antibiotika. Aber auch auf der Weiterentwicklung bekannter Wirkstoffe und dem Ausschöpfen sämtlicher Therapiemöglichkeiten müsse ein Fokus gesetzt werden. Der BPI hat hierzu in einem Positionspapier aktuelle Probleme beleuchtet und auch notwendige Maßnahmen aufgezeigt.

BPI

09.11.2018: Neue Antibiotika gegen multiresistente Bakterien warten auf Zulassung

Anlässlich der in der kommenden Woche ausgerufenen Weltantibiotikawoche hat der Verband der forschenden Pharma- Unternehmen (vfa) mitgeteilt, dass in den kommenden Monaten zwei neue Antibiotika, die jeweils Resistenzen bei bestimmten Bakterien überwinden, auf den Markt gebracht werden könnten. Nach dem jetzigen Informationsstand hat eines der Antibiotika die EU- Zulassung im Oktober 2018 erhalten, das andere erhielt im September 2018 eine Zulassungsemfehlung. In der Zulassungsphase sind noch drei weitere Antibiotika. 19 antibakterielle Medikamente, die fast alle gegen bestimmte multiresistente Bakterien wirken, werden derzeit erprobt.

Zur Schließung der therapeutischen Lücke ist es jedoch noch ein weiter Weg. Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des vfa, sagt dazu: „Die Anstrengungen zur Entwicklung neuer Antibiotika müssen gesteigert werden, damit die Medizin dauerhaft Resistenzen begegnen kann. Doch für viele denkbare Antibiotika-Projekte ist ungeklärt, wie Unternehmen sie refinanzieren könnten; die resultierenden Produkte sollen ja später so selten wie möglich zum Einsatz kommen. Neue Finanzierungsmodelle werden gebraucht.“ Sehr wichtig sei auch ein verantwortungsvoller Umgang mit den auf dem Markt befindlichen Antibiotika, so Fischer weiter.

idw

08.11.2018: Umweltbundesamt fordert verstärkten Kampf gegen Antibiotika und Antibiotikaresistenzen in der Umwelt

Das Umweltbundesamt (UBA) fordert von den Mitgliedsstaaten der EU einen verstärkten Kampf gegen Antibiotika und Antibiotikaresistenzen (AMR) in der Umwelt und hat dazu sieben Maßnahmenschwerpunkte vorgestellt. Jutta Klasen vom UBA verweist auf den "One Health Action Plan on AMR" der EU. Dieser befasst sich jedoch vornehmlich mit dem Problem im Bereich Human- und Veterinärmedizin. Im UBA ist man jedoch der Meinung, dass er die Umwelt bisher nicht genügend berücksichtigt. Allerdings sind auch Boden und Wasser Entstehungsorte von Antibiotikaresistenzen, weshalb diese Risiken richtig identifiziert, gemanagt und minimiert werden müssten. Dazu hat das UBA im wissenschaftlichen Hintergrundpapier sieben Handlungsprioritäten benannt. Neben der Begrenzung des Antibiotikaeinsatzes bei Mensch und Tier auf das medizinisch notwendige Maß

und der Schulung von Ärzten, Apothekern, Tierärzten und Landwirten über das Thema Antibiotika in der Umwelt gehört auch ein Verbot des Aufbringens von unbehandeltem Klärschlamm auf den Boden dazu. Zudem sollten besonders in größeren Städten die Abwasserbehandlungsanlagen technisch aufgerüstet werden, da diese oftmals Brennpunkte für die Freisetzung von Antibiotikaresistenzen darstellen. Auch sollten Überwachungsrichtlinien und Bewertungskonzepte für die Überwachung der Antibiotikaresistenz in Oberflächen- und Badegewässern entwickelt werden. Im Boden sollten auf ausgewählten Ackerflächen die Verbreitung von Antibiotikarückständen und antibiotikaresistenten Keimen überwacht und vorsorgliche Grenzwerte für Antibiotika, Kupfer und Zink im Boden entwickelt werden.

Umweltbundesamt

07.11.2018: Verringerung der bakteriellen Resistenzen - vieles wurde bereits erreicht

Pathogene Mikroorganismen gehören zu den häufigsten Ursachen für lebensmittelbedingte Erkrankungen. Jedes Jahr verursachen sie mehr als 100.000 Erkrankungen in Deutschland – manche davon mit einem tödlichen Ausgang. Vor diesem Hintergrund beschäftigen sich im November 2018 zwei Symposien des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) mit mikrobiellen Risiken in Lebensmitteln: „Lebensmittel-assoziierte Viren“ am 7. November und „Antibiotikaresistenz in der Lebensmittelkette“ am 8./9. November. „Mikrobielle Risiken sind im öffentlichen Bewusstsein angekommen“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Unsere aktuelle repräsentative Bevölkerungsumfrage, der BfR-Verbrauchermonitor, zeigt, dass 97 % der Befragten von Salmonellen in Lebensmitteln, bzw. 89 % von Antibiotikaresistenzen gehört haben; die Mehrheit der Befragten gibt an, dass sie diese Themen beunruhigen. Dabei ist jeder in der Lage, durch entsprechende Küchenhygiene das persönliche gesundheitliche Risiko zu minimieren.“ Der Antibiotikaeinsatz im Stall ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig sinken die Resistenzraten in vielen Bereichen der Tierhaltung, allerdings in unterschiedlichem Maße und nicht in allen Bereichen. Seit 2011 werden in Deutschland die Mengen antimikrobieller Tierarzneimittel erfasst, die an Tierärzte abgegeben werden. Seither gehen diese Mengen kontinuierlich von 1706 Tonnen (t) im Jahr 2011

um 57 % auf etwa 733 t im Jahr 2017 zurück, bei gleichzeitig weiter steigender Produktionsmenge von Fleisch. Auch die Therapiehäufigkeit mit Antibiotika nimmt bei Nutztieren in Deutschland ab, wie das Forschungsprojekt VetCAb (Veterinary Consumption of Antibiotics) des BfR zeigt. Im gleichen Zeitraum gingen die Antibiotikaresistenzen bei einigen Bakterien in der Lebensmittelkette zurück. Eine Studie für den Zeitraum von 2009 bis 2016 zeigt, dass bei natürlich vorkommenden E. coli in Masthühnern und Puten der Anteil resistenter Keime gegen die Mehrzahl der in der Studie getesteten Antibiotika signifikant gesunken ist. Insbesondere Wirkstoffklassen, die in großen Mengen bzw. häufig bei Nutztieren eingesetzt werden, zeigen sowohl bei den Verbrauchsmengen als auch bei den Resistenzraten von E. coli einen rückläufigen Trend. Allerdings zeigt die Studie auch, dass in beiden Mastgeflügelketten weiterhin hohe Resistenzraten bestehen, so dass sie als Quelle für resistente Keime und deren Resistenzgene beim Menschen weiter von erheblicher Bedeutung sein können. Keine Entwarnung besteht für die Antibiotikagruppe der Fluorchinolone. Gegen diese sind die Resistenzen bei einigen Bakterienarten in den letzten Jahren gestiegen. Für sie gab es auch keine deutlich rückläufige Tendenz in der Therapiehäufigkeit. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfehlen daher, diesen Trend zukünftig genau zu beobachten.

BfR

06.11.2018: Zahl der Toten durch resistente Keime in der EU gestiegen

Zwischen 2007 und 2015 ist die Zahl der Todesfälle in der EU durch gegen Antibiotika resistente Keime von 25.000 auf gut 33.000 gestiegen. Dies geht aus einer Studie vor, die vom European Centre for Disease Control and Prevention (ECDC) durchgeführt und in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurde. Insgesamt wurden im Jahr 2015 mehr als 670.000 Infektionen mit Antibiotika resistenten Keime registriert. Die meisten Fälle wurden mit gut 200.000 Infektionen sowie fast 10.800 Todesfällen in Italien registriert. In

Deutschland wurden rund 54.500 Infektionen und 2.363 Todesfälle registriert. Die Mehrheit der Infektionen sind offenbar in Gesundheitseinrichtungen erfolgt. Die Autoren konnten zudem zeigen, dass die Probleme in Südeuropa - und hier besonders in Griechenland und Italien - größer sind als in Nordeuropa. Die Autoren gehen aber davon aus, dass hier rund die Hälfte dieser Infektionen vermieden werden könnte, wenn das Hygienemanagement in den Kliniken verbessert würde.

The Lancet

01.11.2018: Schweiz wird Antibiotikaverbrauch in der Tierhaltung künftig besser dokumentieren

Der Bundesrat der Schweiz hat am 31. Oktober der Verordnung über das Informationssystem Antibiotika in der Veterinärmedizin (ISABV-V) zugestimmt, mit dem der Einsatz von Antibiotika in den Tierhaltungen besser dokumentiert werden soll. Bisher wird in der Schweiz nur dokumentiert, wie viel Antibiotika die Hersteller an die Tierärzteschaft abgegeben haben. Eine weitere Aufschlüsselung, wie die Antibiotika konkret angewendet werden, gibt es bisher nicht. Mit der neuen Verordnung soll der Verbrauch bezüglich der verschiedenen Tierarten und Produktionstypen wie z.B. in der Milchviehhaltung, der einzelnen Tierhaltungen und auch der einzelnen Tierarztpraxen und - kliniken erfasst werden. Ab dem 1. Januar 2019 tritt die Verordnung in Kraft und ab dann muss die

Tierärzteschaft die Verschreibungen von Antibiotika in dem neuen Informationssystem dokumentieren, wenn es sich um eine Behandlung von Tiergruppen handelt. Bei der Abgabe für Einzeltiere oder auf Vorrat ist die Dokumentation erst ab dem 1. Oktober 2019 verpflichtend. Mit den gewonnenen Daten wird es den Tierärzten und auch den Tierhaltern ermöglicht, bessere Rückschlüsse über das eigene Verschreibungsverhalten beziehungsweise den Einsatz im eigenen Betrieb zu erhalten. Bei Hinweisen auf einen übermäßigen oder unsachgemäßen Antibiotikaeinsatz können gezielte Abklärungen zu möglichen Ursachen eingeleitet und Maßnahmen ergriffen werden.

Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen der Schweiz

31.10.2018: Landwirtschaftsminister wollen Anstrengungen zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen verstärken

Die Landwirtschaftsminister verschiedener Länder haben angekündigt, die Anstrengungen zur Bekämpfung der Antibiotikaresistenzen zu verstärken und hierzu auch die Kräfte zu bündeln. Dies kündigten sie im Rahmen der 2. Globalen Konferenz über Antibiotikaresistenzen und den umsichtigen Einsatz von Antibiotika an, die zu Beginn der Woche in Marokko stattfand. Teilgenommen hatten Vertreter von 182 OIE-Mitgliedsländern. Der Landwirtschaftsminister Marokkos verwies darauf, dass die Landwirtschaft für 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts seines Landes verantwortlich

sei und man in Marokko deshalb ein besonderes Interesse an diesem Thema habe. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner stellte die Transparenz als Schlüsselfaktor bei der Durchführung der Maßnahmen heraus. Aktuell besitzen 64 Länder Regeln gegen den Einsatz von Antibiotika als Wachstumsförderer. Es besteht international Einigkeit darüber, dass diese Art des Einsatzes grundsätzlich beendet werden sollte. Matthew Stone von der OIE erklärte, dass es das Ziel der OIE sei, die einzelnen Länder dabei zu unterstützen, die internationalen OIE-Standards, die Ministerin Klöckner als gute Basis lobte, auch umzusetzen.

OIE

30.10.2018: EU-Parlament will bessere Lebensbedingungen für Masthähnchen erreichen

Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments haben per Entschließungsantrag bessere Bedingungen in der „industriellen Hähnchenmast“ gefordert. Darin geht es vor allem um eine ordnungsgemäße Umsetzung der geltenden EU-Normen zum Schutz von Masthähnchen, was die vollständige Anwendung der Direktive aus dem Jahr 2007 erfordere. Zudem wird eine Harmonisierung zwischen den Mitgliedstaaten gefordert.

Weitere Ziele sind eine stärkere Förderung alternativer Aufzuchtsysteme mit höheren Tierschutzstandards sowie bessere Kontrollen und mehr Transparenz bei importiertem Geflügelfleisch. Die Abgeordneten sprechen sich ferner für eine verpflichtende Kennzeichnung der Herkunft von importiertem Fleisch in EU-Verarbeitungserzeugnissen im Einzelhandel, im Gaststättengewerbe und in der Gastronomie aus.

EU-Parlament

30.10.2018: Klöckner stellt deutsche Antibiotikastrategie auf OIE-Tagung vor

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner stellte die Deutsche Antibiotika- Resistenzstrategie auf einer internationalen Tagung der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) in Marokko vor. Nachdem Klöckner bereits auf dem G-20-Agrarministertreffen im Juli in Berlin für ein gemeinsames globales Vorgehen sowie eine deutliche Reduktion des Antibiotikaeinsatzes bei Nutztieren geworben hatte, war sie jetzt auf der zweiten internationalen Konferenz der OIE zu Antibiotikaresistenzen aktiv. Klöckner erklärte dazu, dass Antibiotikaresistenzen ein globales sektorübergreifendes Problem darstellen, dem aktiv begegnet werden müsse. Dabei müsse jeder Sektor je

nach spezifischen lokalen und nationalen Gegebenheiten passende Maßnahmen ergreifen. Die Deutsche Antibiotika- Resistenzstrategie fuße dabei auf vier Säulen: Resistenzentwicklung beobachten, Antibiotikamengen erfassen, Antibiotikaeinsatz minimieren, strenge Vorschriften zum Einsatz kritischer Antibiotika bei Tieren. Klöckner verwies darauf, dass man hier bereits deutliche Erfolge verzeichnen konnte und den Antibiotikaeinsatz im "grünen" Sektor bereits um 57 Prozent senken konnte und auch die Resistenzraten zum Teil rückläufig sein. Das deutsche Beispiel solle international Mut machen.

BMEL

29.10.2018: Ergebnisse des Resistenzmonitoringprogramms für 2016 veröffentlicht

GERM-Vet ist ein Resistenzmonitoring von tierpathogenen Bakterien. Es wird bereits seit 2001 jährlich vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) durchgeführt. Dadurch können koordinierende Maßnahmen und Entscheidungshilfen zur kalkulierten Therapie formuliert werden. Außerdem gehen die Daten in die Zulassungsverfahren von Tierarzneimitteln ein. Für jedes Studienjahr werden ein dezidierter Stichprobenplan erstellt und die eingesendeten Bakterienisolate auf ihre Empfindlichkeit gegenüber 24 antibakteriellen Wirkstoffen untersucht. Die Empfindlichkeitsdaten werden getrennt nach Tierart und Indikation ausgewertet. Im Berichtszeitraum 2016 wurden insgesamt 2.427 Isolate untersucht. Das Resistenzniveau für Erreger von Atemwegsinfektionen bei Rindern und Kleintieren lag maximal bei 15 % resistenter Isolate. Dies ist als sehr positiv anzusehen. Ebenfalls erfreulich waren die Ergebnisse bei den Isolaten aus Mastitiden bei Milchkühen. Hier kann das Resistenzniveau als bislang günstig angesehen werden. Alle getesteten Wirkstoffe zeigten Resistenzraten von maximal 18 %. Ausnahmen waren Enterococcus faecalis und Streptococcus spp., bei denen die Resistenzrate für Tetracyclin bis zu 76 % betrug. Wie in den Studienjahren zuvor traten bei der Bakterienspezies Klebsiella spp. vereinzelt ESBL-Bildner

auf, die gegen die für die Behandlung beim Menschen wichtige Wirkstoffklasse der neueren Cephalosporine Resistenzen ausbilden. Sehr viel höhere Resistenzraten fanden sich bei den Erregern von Enteritiden und Hautinfektionen. Betroffen sind hierbei in erster Linie die Bakterienspezies Escherichia coli und Staphylococcus aureus, isoliert von Nutztieren. Gegenüber vielen Antibiotika wiesen sie Resistenzraten von bis zu 64 % bzw. 87 % auf. Ebenso befinden sich die MHK90-Werte gegenüber den Cephalosporinen der neueren Generation und den Fluorchinolonen in stark erhöhten Bereichen. Ebenfalls hohe Resistenzraten wurden bei der Indikation Septikämie beim Geflügel, hervorgerufen durch Staphylococcus aureus, mit bis zu 66 % ermittelt. Die Häufigkeit, mit der MRSA nachgewiesen wurden, differierte von Tierart zu Tierart. Am häufigsten fanden sich diese im Berichtszeitraum beim Schwein (67 %). Beim Nutzgeflügel betrugt der Anteil 17 %. ESBL-Bildner bei E. coli hingegen werden am häufigsten bei Isolaten von Kälbern nachgewiesen (30 % der untersuchten E. coli-Isolate), gefolgt vom Mast- und Milchrind, Schwein, Hund und Geflügel. Im Kleintierbereich wurden hohe Resistenzraten bzw. MHK90-Werte für Ampicillin (ca. 37 %), Tetracyclin (27 %) und Enrofloxacin bzw. Marbofloxacin (21 %) ermittelt.

BVL