Presseschau

20.11.2020: Zahl der Antibiotikaabgabemengen in 2019 weiter reduziert

Nach 2018 hat sich auch im vergangenen Jahr die Menge der abgegebenen Antiobiotika in der Tiermedizin verringert. Laut Informationen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) wurden im Jahr 2019 7,2 Prozent bzw. 52,2 Tonnen weniger Antibiotika verordnet. Im Vergleich zu 2011, als noch 1.760 Tonnen an Antibiotika abgegeben worden waren, ist die Abgabemenge mehr als halbiert worden. Besonders erfreulich ist, dass die abgegebenen Mengen der Fluorchinolone sowie Cephalosporine der 3. und 4. Generation auf den niedrigsten Wert seit 2011 sanken. Wie der Bundesverband für Tiergesundheit e. V. (BfT) mitteilt, sollte aber weiterhin die Antibiotikaminimierung an erster Stelle stehen. Dazu sei unter anderem ein umfassendes Tiergesundheitsmanagement notwendig. Eine dem Tier angemessene Versorgung mit geeigneten Futtermitteln und eine gute Haltung sowie Diagnostika, die eine frühzeitige Erkennung von Erkrankungen ermöglichen, tragen ebenfalls dazu bei, Tiere gesund zu halten. Mit der ab 28. Januar 2022 gültigen neuen EU-Tierarzneimittel-Verordnung sollen sowohl der Kampf gegen Antibiotikaresistenzen verstärkt als auch der Anreiz für Innovationen gesteigert werden. Auch in Österreich sind sich

die ExpertInnen einig, dass neue Antibiotika entwickelt werden müssen. Jedoch sei deren Entwicklung sehr komplex und kostenintensiv. Anlässlich des „European Antibiotic Awareness Day“ hat sich PHARMIG-Generalsekretär Alexander Herzog daher für Anreize zur Erforschung neuer Antibiotika ausgesprochen. Mit einem eigenen „Action Fund“ in der Höhe von über einer Milliarde US-Dollar sollen im Rahmen der Industrie-Kooperation bis 2030 zwei bis vier neue Antibiotika entwickelt werden, deren Entwicklung sonst mangels Finanzierung gefährdet wäre. „Das ist zwar erfreulich, löst aber nicht gänzlich das Paradoxon für Unternehmen: Denn jedes neue Antibiotikum soll möglichst sorgsam und vor allem sparsam eingesetzt werden, um neuerliche Resistenzbildungen zu vermeiden. Gleichzeitig ist dessen Entwicklung aber enorm zeitaufwändig und teuer. Das birgt für die Unternehmen die große Gefahr, dass die enormen Investitionen nicht refinanziert werden können, weil der Absatz schlichtweg und aus nachvollziehbaren Gründen gering ist. Wir brauchen daher andere Marktinstrumente, darunter finanzielle Förderungen, die als Anreize für die Forschung dienen, um den Auswirkungen von antimikrobiellen Resistenzen die Stirn zu bieten“, erklärt Herzog.

BfT


Pharmig


European Antibiotic Awareness Day

03.11.2020: Resistente Bakterien in großer Zahl auf Krankenhausböden

Ein Forschungsteam des Cleveland VA Medical Center konnte in einer aktuellen Studie die rasche und häufige Kontamination von Böden von Krankenhauszimmern durch antibiotikaresistente Bakterien nachweisen. Die WissenschaftlerInnen konnten zudem belegen, dass möglicherweise gefährliche Organismen trotz bestehender Kontrollmaßnahmen auf die Patienten übertragen werden. Das Team fand mittels umfassender Untersuchungen heraus, dass sich innerhalb der ersten 24 Stunden in fast 50 Prozent der zuvor keimfreien Zimmern antibiotikaresistente Bakterien gebildet und vermehrt hatten. Nach vier Tagen konnten in 58 Prozent der Krankenhauszimmer zudem Clostridium (C.) difficile und VRE-Krankheitserreger ausgemacht werden. Wie aus der Studie hervorgeht, hat die Verunreinigung durch MRSA häufig auf den Böden begonnen, dann schnell auf die Socken,

die Bettwäsche und nahegelegene Oberflächen übergegriffen. Nicht alle Patienten des Experiments, die zuvor durchgehend negativ auf MRSA getestet worden waren, infizierten sich in der Folge allerdings mit den Bakterien. Bereits im August diesen Jahres hatten die ForscherInnen von ähnlichen Ergebnissen bei SARS-CoV-2-Nukleinsäure auf den Böden und den Schuhen von Pflegepersonal auf einer COVID-19-Station berichtet. In diesem Fall konnte die Verunreinigung jedoch bei der Bodenreinigung und den Desinfektionsprotokollen verringert werden. Da jedoch nur eine kleine Samplegröße untersucht wurde, sind diese Studienergebnisse, auch zuletzt wegen der Unterschiede in den Eigenschaften der Patienten und des Pflegepersonals, nicht auf alle Krankenhäuser übertragbar. Doch konnte hiermit ein weiterer Übertragungsweg für möglicherweise gefährliche Organismen erkannt werden.

Pressetext

27.10.2020: Verkauf von Antibiotika in der Veterinärmedizin in Europa rückläufig

Der Jahresbericht der Europäischen Überwachung des antimikrobiellen Veterinärkonsums (ESVAC) hat offen gelegt, dass der Einsatz von Antibiotika bei Tieren zurückgegangen ist. Die gerade veröffentlichten Zahlen belegen, dass zwischen den Jahren 2011 und 2018 der Verkauf in Europa um 34 Prozent reduziert wurde. Dieser Verlauf zeige, dass Europa sich auf dem richtigen Weg befinde, Antibiotikaresistenzen zu bekämpfen, so Ivo Claassen, veterinärmedizinischer Leiter der European Medicines Agency (EMA).

Daten zu Antibiotikaverkäufen zu veterinärmedizinischen Zwecken von 31 europäischen Ländern flossen in den aktuellen ESVAC-Bericht ein, der Wissenschaftlern und Veterinären der EU-Mitgliedsstaaten als Leitlinie dient. Die gesammelten Daten legen wertvolle Informationen hinsichtlich der Größe und Trends bei Antibiotikaverkäufen dar und sind wichtig für die Gesundheit von Mensch und Tier. Zahlreiche Länder haben zudem ihre nationalen Maßnahmen im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen offengelegt.

EMA

13.10.2020: bpt sucht Mehrheit für berufspolitisches Thema - jetzt abstimmen

TierärztInnen können noch bis zum 15. Oktober 2020 abstimmen, welches berufspolitische Thema zum Abschluss des bpt-Kongresses 2020 DIGITAL live diskutiert werden soll. Die vier Themen "Neues EU- Tierarzneimittelrecht ab 2022, Fachkräftemangel in der Tierarztpraxis,

Spezialist oder Allrounder - was ein Praxisinhaber/in in Zukunft können muss und Notdienstpflicht vs. Unwirtschaftlichkeit" stehen zur Auswahl. Berufspolitik ist eines der Kernthemen des bpt- Kongresses, der in diesem Jahr vom 19.-25. November 2020 vollständig virtuell stattfinden wird.

Bpt

09.10.2020: Gesetzentwurf zur Änderung des Arzneimittelgesetzes vorgelegt

Die Evaluierung des Arzneimittelgesetzes (AMG) hat ergeben, dass die Tierhalter durch die Möglichkeit der Digitalisierung einer Meldepflicht entlastet werden können. Deshalb soll die Meldepflicht, die bisher ausschließlich schriftlich erfüllt werden konnte, um die Möglichkeit zur elektronischen Meldung ergänzt werden. Weiterhin sei bei der Evaluierung zu Tage getreten, dass einzelne Meldepflichten nachzubessern sind. So sollen die Tierhalter künftig neben der Meldung, dass sie ein Antibiotikum anwenden oder angewendet haben, in Zukunft auch melden müssen, wenn sie keines verwendet haben. Denn es gebe eine nicht zu vernachlässigende Zahl von Tierhaltern, die versehentlich oder wissentlich nicht melden, dass sie Antibiotikum einsetzen. Wenn Betriebe bewusst oder unbewusst Anwendungen nicht melden, führe das dazu, dass möglicherweise notwendige Maßnahmen nicht ergriffen werden

können, um die Antibiotikum-Menge im Tierbestand zu verringern. Zudem soll künftig auch das Datum des Tages erfasst werden, an dem das Antibiotikum abgegeben oder angewendet wird, um eine genauere Zuordnung zu halbjährlichen Stichtagen für Höchstmengen zu ermöglichen. Dadurch soll die Datenqualität verbessert werden. Dies geht aus der von der Bundesregierung vorlegten Änderung eines Gesetzentwurfs zur Änderung des Arzneimittelgesetzes (AMG) (19/23159) hervor. Mit dem Regelungsentwurf sollen die Ergebnisse einer Evaluierung des AMG für die Behandlung von Tieren mit Antibiotika umgesetzt werden, die für den menschlichen Verzehr bestimmt sind. Der Deutsche Bundestag hat seinerzeit die Pflicht zur Evaluierung festgelegt. Ziel ist es, die Antibiotikum-Behandlung von Tieren auf das notwendige Maß zu reduzieren. Das soll der Resistenzentwicklung entgegensteuern.

Deutscher Bundestag

07.10.2020: BMEL: Neue Leitlinien Tierschutz im Pferdesport

Die überarbeiteten Leitlinien für den „Tierschutz im Pferdesport“ haben bei Tierschutzverbänden größtenteils für Zustimmung gesorgt. Nach dreijähriger Überarbeitungszeit hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die neuen Leitlinien nun vorgelegt. Von den Verbänden werden besonders die grundsätzliche Festlegung des Mindestalters bei Ausbildungsbeginn, die tierschutzkonforme Haltung während der Ausbildung sowie eine klare Ablehnung der Rollkur begrüßt. Für Trabrenn- und Galopppferde hat das BMEL jedoch kein Mindestalter bei Trainings- und Einsatzbeginn festgelegt, was von den Verbänden massiv kritisiert wird. „Die Mindeststandards der BMEL-Pferdesportleitlinie bieten eine wichtige Orientierungs- und

Beurteilungshilfe, welche Anforderungen für Umgang, Haltung, Training und jegliche Nutzung von Pferden unter den Aspekten des Tierschutzes zu stellen sind. Diese gilt es nun weitreichend bekannt zu machen und in die Umsetzung zu bringen“, so die Verbände. Das BMEL hat sich in der Leitlinie dazu verpflichtet hat, zeitnah umfassende wissenschaftliche und praktische Untersuchungen zu initiieren und zu unterstützen, bei denen vor allem die Trainingsbedingungen, die Auswirkungen eines frühen Nutzungsbeginns, die Haltungsumwelt sowie die Durchführung der tierärztlichen Beurteilung der physischen und psychischen Belastbarkeit der betroffenen Pferde im Vordergrund stehen. Das wird von den Tierschutzverbänden als Erfolg gesehen.

Prohvieh


Leitlinien Tierschutz im Pferdesport

07.10.2020: ASP-Konferenz in Schwerin

Am Dienstag kommender Woche (13.10.2020) werden in Schwerin Landkreise, Institutionen und Verbände zusammenkommen, um gemeinsam mit Agrarminister Dr. Till Backhaus über Maßnahmen gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) und das weitere Vorgehen

zu diskutieren. Anlässlich der sich dem Bundesland bedrohlich nähernden Tierseuche hatte Backhaus um das Treffen gebeten. Anschließend kann sich die Presse vor Ort über die Ergebnisse der Konferenz informieren. Um 15 Uhr können Medienvertreter Auftaktbilder der Konferenz fertigen.

Regierung Mecklenburg-Vorpommern

24.09.2020: Forscher entwickeln Biosynthese natürlicher Antibiotika weiter

WissenschaftlerInnen der Universität des Saarlandes sind der biotechnologischen Herstellung von Nucleosid-Antibiotika einen Schritt näher gekommen. „Labor-Experimente zeigen, dass Nucleosid-Antibiotika eine starke antibiotische Wirkung auf krankmachende Bakterien haben können“, sagt Christian Ducho, Professor für Pharmazeutische und Medizinische Chemie an der Universität des Saarlandes. Wegen ihres Wirkmechanismus könnten Nucleosid-Antibiotika auch gegen resistente Bakterien wirksam sein. Deren Produzenten sind sogenannte Streptomyceten, eine Gruppe nicht-pathogener Bodenbakterien,

welche Nucleosid-Bausteine aus ihrem Stoffwechsel abzweigen. Die Biosynthese natürlicher Antibiotika ist eine Alternative zu der sehr aufwändigen chemischen Synthese. In ihrer Publikation haben die Saarbrücker Forscher einen der wichtigsten Teilschritte in der Biosynthese der Muraymycine – den Einbau einer bestimmten Untereinheit – gründlich aufgeklärt. „Das könnte eine zukünftige biotechnologische Produktion von Muraymycin-abgeleiteten Antibiotika erleichtern und die Entwicklung dieser Substanzen zu Arzneistoff-Kandidaten weiter vorantreiben“, erklärt Ducho abschließend.

Uni des Saarlandes

11.09.2020: Bessere Hygiene kann Resistenzen eindämmen

Global wächst die Bedrohung durch eine zunehmende Zahl von Antibiotikaresistenzen. Schätzungen gehen davon aus, dass die Resistenzraten gegen häufig verwendete Antibiotika in einigen Ländern bis 2030 40-60% übersteigen könnten. Wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden, kann die antimikrobielle Resistenz (AMR) bis 2050 das Leben von 10 Millionen Menschen fordern. Daher rufen die Experten des Global Hygiene Council (GHC) zu einer Überprüfung der Hygienepraktiken im Haushalt und im täglichen Leben auf. Dadurch soll sichergestellt werden, dass diese wirksam und angemessen für die aktuellen, dringenden Probleme der öffentlichen

Gesundheit sind. Denn eine bessere Hygiene im häuslichen Umfeld sowie im Alltag tragen wesentlich zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenz bei, und zwar auf zweierlei Art und Weise: Erstens verhindert sie Infektionen und verringert dadurch die Notwendigkeit der Verschreibung von Antibiotika und sie verhindert zweitens die Ausbreitung von antibiotikaresistenten Infektionen von Mensch zu Mensch. Entsprechend wichtig sei es, die während der Corona-Pandemie eingeführten Hygieneregeln auch nach der Pandemie weitestgehend beizubehalten. Mehr Informationen zur Antibiotikaminimierung im Stall finden Tierärztinnen und Tierärzte unter VetMAB.de

ots


Global Hygiene Council


VetMAB: Antibiotikaminimierung im Stall

08.09.2020: Forscher entwickeln tragbare Lösung zur Versorgung von chronischen Wunden

WissenschaftlerInnen der Purdue University in West Lafayette/Indiana haben eine mobile Ozontherapie zur Behandlung chronischer Wunden aufgrund von antibiotikaresistenten Infektionen entwickelt. Bisher waren für die antimikrobielle Behandlung mit Ozon ein klinisches Umfeld und speziell ausgebildetes Personal erforderlich. „Wir haben ein kostengünstiges tragbares Pflaster und die zugehörigen Komponenten für die Ozontherapie umgesetzt", erklärt Forschungsleiter Rahim Rahimi. Mit dieser "revolutionären Art von Behandlung" werden die Bakterien auf der Oberfläche der Wunde oder dem diabetischen

Ulcus abgetötet, was wiederum den Heilungsprozess beschleunigt. Dieser neue Therapieansatz könnte Millionen Menschen eine Behandlung in ihren eigenen vier Wänden ermöglichen. Denn allein in den USA leiden mehr als sechs Mio. Menschen an chronischen Wunden. „Unser atmungsaktives Pflaster wird auf der Wunde angebracht und dann mit einem kleinen, batteriebetriebenen Ozon produzierenden Gerät verbunden", erläutert Rahimi. Das Gas wird auf die Oberfläche der Wunde transportiert und ermöglicht so einen gezielten Ansatz für die Wundheilung. Die Studie wurde in "Frontiers in Bioengineering and Biotechnology" veröffentlicht.

Purdue University


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