Presseschau

05.07.2018: Effektivität von Antibiotika durch Kombinationen erhöhen

In Versuchen konnte gezeigt werden, dass es möglich ist, die Wirksamkeit von Antibiotika gegen resistente Keime zu erhöhen, wenn man sie mit anderen Wirkstoffen kombiniert. Dazu hat eine Gruppe von Wissenschaftlern unter Beteiligung des European Molecular Biology Laboratory (AMBL) in Heidelberg insgesamt 3.000 verschiedene Kombinationen an drei Bakterien ausprobiert. In 500 Kombinatioen konnten sie zeigen, dass es zu einer Verbesserung der Wirkung kommt. Allerdings kam es bei vielen Kombinationen auch zu einer Verschlechterung der Wirksamkeit. Ein

Beispiel für eine Wirkungsverbesserung ist die Kombination von Spectinomycin mit Vanillin, dem Stoff, der der Vanille seinen Duft verleiht. Spectinomycin wurde in den 1960er Jahren entwickelt und wird auf Grund der Resistenzlage heute kaum noch eingesetzt. Bei der Kombination mit Vanillin kam es allerdings zu einer deutlich verbesserten Wirkung gegen E. coli. Dies macht den Forschern Hoffnung, dass man mit neuen Kombinationen insgesamt die Wirksamkeit vieler Antibiotika wieder verbessern kann.

EMBL

28.06.2018: E. coli als Fabrik für Antibiotika

Wissenschaftlern der Technischen Universität Delft (Niederlande) ist es gelungen, E. coli- Bakterien so zu manipulieren, dass sie Antibiotika aus der Klasse der Carbapeneme produzieren können. Carbapeneme gehören zu den sogenannten Reserveantibiotika. Bisher werden sie aufwendig synthetisch hergestellt. Die Forscher erhoffen sich von dem neuen Verfahren unter anderem Kosteneinsparungen, aber auch die Vermeidung der Produktion von Rückständen. Dabei veränderten die Wissenschaftler die Bakterien so, dass sie ein einfaches Carbapenem - das Car - produzierten.

Allerdings arbeitete das Bakterium nicht effektiv. Zudem schadete das Car, wie zu erwarten war, da es sich um ein Antibiotikum handelt, dem Produzenten selbst. Deshalb wurde man erneut tätig und versetzte das Bakterium in einen persistenten Zustand. In diesem Zustand findet kein Bakterienwachstum mehr statt und es kann dem Antibiotikum länger standhalten. Damit gelang es, die Ausbeute zu verbessern. Allerdings ist man in Delft noch nicht zufrieden und arbeitet an weiteren Verbesserungen zur Steigerung der Produktivität.

Technische Universität Delft

26.06.2018: Schweiz: Antibiotikaverkauf in der Tiermedizin weiter rückläufig

In der Schweiz ist der Verkauf von Antibiotika zur Behandlung von Tieren auch im Jahr 2017 zurückgegangen, wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) mitteilt. Dabei ist im vergangenen Jahr wie bereits im Jahr zuvor auch der Verkauf von für die Humanmedizin kritischen Antibiotika zurückgegangen. Im Vergleich zu 2008 wurden im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte weniger Antibiotika für Tiere verkauft. Die Gesamtmenge betrug 2017 noch 32.000 Kilogramm. Gegenüber 2016 ist dies ein Rückgang um 16 Prozent. Die Menge der für die Humanmedizin kritischen Antibiotika sank gegenüber

2016 um 20 Prozent. Das BVL weist darauf hin, dass die kontinuierliche Abnahme der Antibiotikaverkäufe auf eine weiter zunehmende Sensibilisierung der Tierärzteschaft und die Tierhaltenden hinweist. Zudem würden die eingeführten Maßnahmen, wie das Verbot des Verkaufs bestimmter Antibiotika auf Vorrat, Wirkung zeigen. Das BVL weist aber auch darauf hin, dass die Menge die Menge der verkauften Antibiotika keinen Rückschluss über den tatsächlichen Einsatz zulasse. Darüber wird es Aufschluss geben, wenn die zum 1. Januar 2019 fertige Datenbank in Betrieb genommen wurde.

BLV Schweiz

25.06.2018: Antibiotika-Einsatz bei Nutztieren in den Niederlanden weiter gesunken

In den Niederlanden ist der Einsatz von Antibiotika bei landwirtschaftlichen Nutztieren auch im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr weiter gesunken, wie die zuständige niederländische Behörde (SDa)

mitteilt. Die Behörde berechnete dabei den Einsatz in "täglicher Dosis pro Tier". Demnach ging der Einsatz bei Puten um 23,7 Prozent, bei Masthähnchen um 7,8 Prozent, bei Kälbern um 3,6 Prozent und bei Schweinen um 1,9 Prozent zurück. Dagegen stieg der Einsatz im Rindersektor stieg dagegen leicht. Auch der Einsatz von Fluorchinolonen sowie Cephalosporinen der 3. und 4. Generation blieb auf niedrigem Niveau. Bezogen auf die Gesamtmenge verbrauchter Antibiotika konnte zwischen 2009 und 2017 ein Rückgang um 63,4 Prozent in den Niederlanden verzeichnet werden.

SDa

22.06.2018: EU-Parlament stimmt neuem Arzneimittelrecht zu

Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V. (bpt) begrüßt, dass der Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) des Europäischen Parlamentes dem Trilog-Verhandlungsergebnis von EU-Parlament, Rat und Kommission für ein neues europäisches Tierarzneimittelrecht zugestimmt hat. Der bpt sieht darin eine historische Entscheidung, die den Rahmen für den Tierarzneimitteleinsatz in Europa in den nächsten 20 Jahren vorgibt. Ging es in dem acht Jahre dauernden Prozess zunächst darum, die Verfügbarkeit von Tierarzneimitteln in Europa zu verbessern, stand am Ende die Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen im Vordergrund. Und genau in diesem Bereich ist es dem bpt gemeinsam mit dem europäischen Tierärzteverband FVE gelungen, einige nicht zielführende Maßnahmen zu verhindern. „Auch wenn es in einigen Fällen möglicherweise noch detailliertere

Dokumentationspflichten für Tierärzte bei der Anwendung von Antibiotika geben wird, über die wir nicht glücklich wären, ist dem EU-Parlament im Zusammenspiel mit Rat und Kommission ein insgesamt vernünftiger Kompromiss gelungen, den wir begrüßen“, erklärt bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder. Grundsätzlich erfreulich ist, dass das Dispensierrecht erhalten bleibt. Auch dürfen Tierarzneimittel nur von Tierärzten verschrieben werden und es kommt zu keiner Öffnung des Internethandels für verschreibungspflichtige Tierarzneimittel. „Alles in allem also ein Schritt in die richtige Richtung, obgleich leider wieder die Chance vertan wurde, einen einheitlichen Binnenmarkt für Tierarzneimittel zu schaffen“, stellt Moder fest. Der bpt geht davon aus, dass die formale Entscheidung über die Tierarzneimittelverordnung im zweiten Halbjahr 2018 fallen wird und die Regeln wohl im Jahr 2022 endgültig in Kraft treten.

bpt

15.06.2018: BfT - Impfungen sind Gesundheitsstandard

Impfungen gehören heutzutage zum Gesundheitsstandard bei Tieren, und die Bedeutung von vorbeugenden Tiergesundheitsstrategien wächst, wie der Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT) berichtet. Dies wird auch durch die Zulassungszahlen der Europäischen Arzneimittel Agentur (EMA) dokumentiert. Im Jahr 2017 wurden dort insgesamt 18 Tierarzneimittel neu zugelassen. Bei zehn dieser Tierarzneimittel handelte es sich um Impfstoffe. Dabei sind im vergangenen Jahr neue Impfstoffe für alle relevanten Nutztier-Segmente auf den Markt gekommen. Besonders stark vertreten waren dabei Impfstoffe für Schweine. Hier wurden Impfstoffe gegen PCV 2, Influenzaviren vom Typ H1N1 und auch die Ödemkrankheit beim Schwein neu zugelassen. Im Bereich der Rinder und Schafe sind weitere Impftsoffe gegen die Blauzungenkrankheit auf den Markt gekommen. Auch die Umsätze mit Impfstoffen spiegeln die Bedeutung von vorbeugenden Tiergesundheitsstrategien wider. Mittlerweile werden

rund sechs Milliarden Euro an Umsätzen mit Impfstoffen generiert, die rund ein Drittel des Marktes der Tierarzneimittel ausmachen. Dafür sind allerdings auch hohe Investitionen auf Seiten der Hersteller notwendig. Acht Prozent des Jahresumsatzes fließen bei den deutschen Unternehmen im Schnitt in Forschung und Entwicklung. Bis ein Produkt zur Marktreife gelangt, dauert es bis zu elf Jahren. Ein Problem sieht der BfT bei der Akzeptanz des Einsatzes von Tierarzneimitteln bei Nutztieren, während sie bei Hobbytieren sehr hoch ist. Im Nutztierbereich ist das Bewusstsein dafür, dass auch diese Tiere Arzneimittel benötigen, um gesund zu bleiben, nur wenig ausgeprägt. Hier überwiegen Vorbehalte gegenüber dem Arzneimitteleinsatz. Deshalb sieht der BfT in der Krankheitsvorbeuge mittels Impfung ein wichtiges Argument in der gesellschaftlichen Diskussion.

BfT e.V.

12.06.2018: Wie Bakterien DNA einfangen

Der horizontale Gentransfer ist eine Methode, wie sich Bakterien neue DNA einverleiben und in ihr Genom integrieren. Wissenschaftler der Indiana University in Bloomington (USA) haben dieses jetzt erstmals sichtbar gemacht. Ihnen gelang es, die Filamente der Bakterien und freie DNA-Stücke farblich zu markieren. Zudem konnten sie diesen Prozess mit

hochauflösenden Geräten filmen und so sichtbar machen, wie die Filamente der Bakterien die DNA fast wie eine Harpune einfangen und dann in die Zelle schleusen. Die DNA konnte dann nachfolgend in die eigene DNA integriert werden. Mittels dieser Methode können auch DNA-Fragmente in Zellen integriert werden, die Resistenzen gegen Antibiotika tragen.

Indiana University Bloomington


Video auf Youtube

08.06.2018: EU will Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft weiter einschränken

Das Europäische Parlament und Vertreter der Mitgliedsländer haben sich auf Maßnahmen zur Begrenzung des Antibiotikaeinsatzes bei landwirtschaftlichen Nutztieren geeinigt. So soll zukünftig der prophylaktische Einsatz nur noch bei Einzeltieren gestattet werden und dies auch nur dann, wenn es keine alternativen Behandlungsmöglichkeiten gibt und die Gefahr einer schweren Infektionskrankheit besteht. Auch der metaphylaktische Einsatz soll eingegrenzt werden. Ist ein Tier in einer Tiergruppe erkrankt, dürfen die anderen Tiere der Gruppe, die keine Krankheitsanzeichen zeigen, künftig nur noch

dann behandelt werden, wenn keine alternativen Möglichkeiten bestehen und ein Tierarzt dies diagnostiziert und entschieden hat. Mit der Gesetzgebung soll die EU-Kommission zudem ermächtigt werden, den Einsatz bestimmter für den Menschen wichtiger Antibiotika bei Tieren zu verbieten. Mit diesen Maßnahmen soll die Bildung von Antibiotika- Resistenzen eingedämmt werden. Das Europäische Parlament hat in den Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten zudem durchgesetzt, dass die Regeln auch für in die EU importierte Lebensmittel gelten sollen.

Europäisches Parlament

07.06.2018: Umfrage zur Lehre über Antibiotikaresistenzen für Vet-Med-Studenten

Noch bis zum 18. Juni sind VeterinärmedizinstudentInnen aufgerufen, an der "PREPARE-VET" - Umfrage teilzunehmen. Mit dieser Umfrage, die europaweit durchgeführt wird, soll die Lehre über Antibiotika, Antibiotikaresistenzen und den Einsatz von Antibiotika in Veterinärmedizinischen

Fakultäten oder Hochschulen qualitativ und quantitativ evaluiert werden. Mit Hilfe der Analyse der Resultate soll die Lehre in diesem Bereich verbessert werden. Die Umfrage ist ein Projekt der European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ESCMID).

PREPARE-VET

06.06.2018: Natürlich vorkommendes Peptid wirksam gegen verschiedene Krankheitserreger

An der Technischen Universität Dänemark beschäftigt man sich seit Jahren mit der Suche nach Alternativen zu Antibiotika. Dies wird insbesondere auf Grund der weiterhin zunehmenden Antibiotikaresistenzen immer wichtiger. Offenbar ist man fündig geworden, denn das natürlich vorkommende Peptid Cap 18 hat das Potenzial, verschiedene Keime abzutöten. Cap 18 kommt u.a. in den Tränen von Kaninchen vor. In Versuchen konnten die Forscher zeigen, dass es wirksam ist gegen Salmonella Typhimurium, Yersinia

ruckeri und Aeromonas salmonicida. Während Salmonellen weithin bekannt sind als Krankheitserreger, handelt es sich bei den anderen beiden Bakterien um Erreger, die für Erkrankungen bei Fischen verantwortlich sind. Die Forscher haben zudem Berechnungen angestellt, die zeigen, dass die kommerzielle Produktion von Cap 18 sowohl finanziell vorteilhaft als auch praktisch möglich wäre. Allerdings müsste zunächst ein Mikroorganismus so verändert werden, dass er das Peptid produziert.

http://www.dtu.dk/english/news/nyhed?id=6d826cb1-e9df-4bc5-88ca-a2c62f4d0417