Presseschau

17.04.2018: Neuer Ansatzpunkt zur Entwicklung von Antibiotika

Angesichts der Problematik der Antibiotikarsistenzen wird weltweit fieberhaft nach neuen Möglichkeiten zur Entwicklung von Antibiotika gesucht. Denn weltweit sterben nach Schätzungen der WHO rund 700.000 Menschen jedes Jahr an Keimen, gegen die keine Antibiotika mehr wirksam sind. An der Friedrich-Alexander- Universität Erlangen-Nürnberg hat man gemeinsam mit Kollegen der University of Oxford (Großbritannien) möglicherweise einen neuen Ansatzpunkt zur Entwicklung antibakterieller Wirkstoffe gefunden. Interessiert hatte man sich für die frühe

Phase der RNA-Produktion innerhalb der Bakterien. Die RNA-Produktion ist essentiell für das Überleben der Bakterien. Die Forscher fanden heraus, dass die frühe Phase der RNA-Produktion stark reguliert wird. Besonders interessant ist, dass eine bestimmte DNA-Sequenz zu einer Pause in der Produktion führt, die mehrere Sekunden andauert. Hierbei wird die RNA-Polymerase gestoppt. Diese Erkenntnis könnte ein Ansatzpunkt für Wirkstoffe sein. Wenn es gelänge, die Bakterien in dieser Phase der Pause festzuhalten, würde es zu einem Absterben der Bakterien kommen.

idw

04.04.2018: Weiterhin unkritischer Antibiotikaeinsatz bei Erkältungen

Eigentlich ist bei viralen Erkrankungen wie der Grippe ein Antibiotika nicht indiziert, da es nicht gegen Viren wirkt. Trotzdem werden häufig noch Antibiotika bei diesen Erkrankungen verschrieben. Dies geht aus einer aktuellen Umfrage hervor, die das Forsa-Institut im Auftrag der Krankenkasse DAK unter 3.000 Menschen in Deutschland durchgeführt hat. Der immer noch unkritische Umgang mit Antibiotika wird besonders während der Erkältungszeit deutlich, denn hier erwarten 72 Prozent der Befragten eine Verschreibung von Antibiotika, wenn die Beschwerden sich nicht von selbst verbessern. Vor vier Jahren gaben dies noch 76 Prozent der Befragten an. Offenbar wird dies besonders von jüngeren Personen gefordert, denn bei Menschen ab einem Alter von 60 Jahren lag die Quote nur noch bei 67 Prozent.

DAK- Vorstandsvorsitzender Andreas Storm sieht in dieser Erwartungshaltung der Patienten besonders dann ein Problem, wenn es sich auf das Verschreibungsverhalten der Ärzte auswirkt. Storm fordert einen Bewusstseinswandel in Deutschland, um die Wirksamkeit der Antibiotika zu erhalten. Und offenbar ist das Wissen über Antibiotika noch immer mangelhaft. Denn 31 Prozent der Befragten glauben, dass Antibiotika auch gegen Virusinfektionen helfen. Immerhin ist diese Zahl seit der Umfrage aus dem Jahr 2014 von 39 Prozent auf 31 Prozent gesunken. Zudem sind noch 19 Prozent der Überzeugung, dass Antibiotika auch gegen Pilzinfektionen wirksam sind. Beim Umgang mit Antibiotika spielt das Alter offenbar eine Rolle. Je jünger die Patienten sind, desto eher erwarten sie, dass sie Antibiotika verordnet bekommen. Und auch tatsächlich bekommen jüngere Personen häufiger Antibiotika verschrieben als Personen über 60 Jahre.

DAK

29.03.2018: Frohe Ostern!

Vetion.de wünscht Ihnen eine schöne Osterzeit! Lassen Sie sich durch das angekündigte Winterwetter nicht deprimieren, sondern nutzen Sie die Zeit, um durch unser Portal zu stöbern oder sich über unsere eLearning-Fortbildungen zu informieren.

Wir bieten Ihnen hier u.a. eine Fortbildung zur TÄHAV, zur Onkologie, zum Weidemanagement von Pferden und eine eLearning-Reihe zu bildgebenden Verfahren. Oder schauen Sie einmal bei VetMAB vorbei, dem Onlineportal zur Antibiotika-Minimierung im Stall.

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27.03.2018: Antibiotikaverbrauch zwischen 2000 und 2015 um 65 Prozent gestiegen

Ein internationales Forscherteam hat bei der Betrachtung von 76 Ländern festgestellt, dass dort der Antibiotikaverbrauch zwischen den Jahren 2000 und 2015 um 65 Prozent angestiegen ist. Die Forscher, die ihre Ergebnisse in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlichten, berechneten dies auf der Basis "Definierter Tagesdosen" (DDD). Hier wurden in diesen Ländern im Jahr 2015 insgesamt 34,8 Milliarden Dosen verbraucht.

Im Jahr 2000 waren es noch 21,1 Milliarden Dosen gewesen. Der Anstieg wurde dabei besonders von Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen vorangetrieben. In den Ländern mit hohem Einkommen gab es dagegen kaum Anstiege. Z.T. gab es hier sogar Rückgänge im Verbrauch. Die Wissenschaftler befürchten, dass der Verbrauch bis zum Jahr 2030 sogar noch um 200 Prozent zunehmen könnte.

PNAS

26.03.2018: Antibiotikaresistente Bakterien von Fliegen, Menschen und Tieren nahezu identisch

Da Fliegen ebenfalls Kontakt zu Menschen haben, könnten sie so ein "idealer" Überträger von Erregern sein. Wissenschaftler der Universität Münster haben daher nun gemeinsam mit einem internationalen Team die Bedeutung der Schmutzfliege bei der Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien genauer beleuchtet. Eine Münsteraner Studie hatte 2016 gezeigt, dass in der ländlich geprägten Region bis zu 20 Prozent aller Fliegen mit resistenten Keimen wie Escherichia coli (ESBL-produzierende E.-coli) besiedelt sind. "Mit unserer damaligen Arbeit konnten wir nachweisen, dass die Bakterien der untersuchten Fliegen häufig dieselben Resistenzgene trugen wie die

Bakterien bei unseren Patienten. Da lag ein Zusammenhang nahe - der bis dahin aber noch nicht sicher belegt war“, erklärt Prof. Frieder Schaumburg vom Institut für Medizinische Mikrobiologie. "Auf Fliegen sind sämtliche Antibiotikaresistenzen nachzuweisen, vor denen sich Mediziner heute fürchten. Dazu gehört beispielsweise der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA). Außerdem konnten wir nachweisen, dass die antibiotikaresistenten Bakterien von Fliegen, Menschen und Tieren nahezu identisch sind. Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass Fliegen bei der Verbreitung eine wichtige Rolle spielen“, so Schaumburg.

Universität Münster

15.03.2018: Bundesregierung soll verstärkt gegen multiresistente Keime in Gewässern vorgehen

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen fordert in einem Antrag die Bundesregierung dazu auf, sich verstärkt gegen multiresistente Keime in Gewässern einzusetzen. Zudem hatte die Bundesregierung gestern in einer Antwort auf eine Anfrage der Fraktion darauf hingewiesen, dass eine Übertragung multiresistenter Keime aus Badegewässern auf Menschen nicht ausgeschlossen werden könne. Dies gelte insbesondere für Personen, deren Immunsystem geschwächt ist. Allerdings verweist die Bundesregierung auch darauf, dass die Überwachung der Gewässer Länderaufgabe sei, man sich aber kurzfristig nach dem aktuellen Stand bezüglich der Belastung von Gewässern mit multiresistenten Keimen erkundigen wolle. In dem Antrag weisen die Gründen darauf hin, dass Antibiotika-Resistenzen als eine der größten Gesundheitsgefahren und eine Bedrohung für die gesamte moderne Medizin gelten würden. Die Grünen fordern angesichts von

Medienberichten über die Funde multiresistenter Keime in niedersächsischen Gewässern, dass der Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft weiter reduziert wird. Die Grünen sehen in dem "massenhaften Einsatz" von Antibiotika bei Tieren einen Grund für die Verbreitung dieser Keime. Hier greifen die Grünen auch die Problematik der Colistin-Resistenzen auf. Denn bei den gefundenen Bakterien in Niedersachsen bestanden auch Resistenzen gegenüber diesem Antibiotikum. Die Grünen kritisieren, dass das Medikament insbesondere beim Geflügel massenhaft angewendet werde, obwohl es in der Humanmedizin als Reserveantibiotikum gelte. Bund und Länder werden aufgefordert, einen Bedarfsatlas zu erstellen. Aus diesem soll das Ausmaß der regionalen Belastung von Oberflächengewässern mit Keimen aber auch mit Schadstoffen wie Medikamentenrückständen oder Hormonen hervorgehen.

Deutscher Bundestag

12.03.2018: Neuer Schnelltest gibt in wenigen Stunden Auskunft über Resistenzlage

Mit Hilfe eines neuen Schnelltests kann in dreieinhalb Stunden abgeklärt werden, wie die Resistenzsituation aussieht und welche antibiotischen Wirkstoffe im konkreten Fall noch wirksam sind. Standardverfahren für die Infektionsdiagnostik benötigen mitunter 72 Stunden, bis ein verlässliches Ergebnis vorliegt, da die Keime aus der Probe in der Regel erst noch angezüchtet werden müssen. Der neue Schnelltest wurde von WissenschaftlerInnen des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), des Center for Sepsis Control and Care des Jenaer Universitätsklinikums und der Friedrich-Schiller-Universität Jena entwickelt und verwendet Elektroden, die in den etwa briefmarkengroßen Chip eingebaut sind. Sie fixieren die Bakterien dort

durch elektrische Felder. Währenddessen werden die Erreger mit verschiedenen Antibiotika in unterschiedlichen Konzentrationen in Kontakt gebracht und die Reaktion mit Hilfe der Raman-Spektroskopie untersucht. Bereits nach zwei Stunden sind eindeutige Veränderungen in den Raman-Spektren erkennbar, woraus sich ableiten lässt, ob der Stamm resistent oder sensibel ist. "Zugleich erhalten wir Informationen darüber, wie hoch die Konzentration des Antibiotikums sein muss, um das Bakterienwachstum vollständig zu hemmen. Das ist ein wichtiger diagnostischer Parameter, der den Erfolg der Behandlung entscheidend beeinflusst," so Prof. Jürgen Popp, Direktor des Leibniz-IPHT .

Leipnitz IPHT

06.03.2018: TÄHAV-Novelle: Fragen, Fragen, noch mehr Fragen

Am Dienstag, 6.3.2018, hat der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) in Berlin in der Bayerischen Landesvertretung zu einem Fachforum zum Thema "Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung" eingeladen. Anwesend waren neben Vertretern der Berufsverbände auch praktizierende Tierärzte sowie im Öffentlichen Dienst tätige Tierärzte. Aber auch auch die großen Landwirtschaftsverbände waren anwesend. Erstes Thema auf der Agenda war das EU-Arzneimittelrecht, dessen Überarbeitung voraussichtlich im Jahr 2019 abgeschlossen sein und in 2022 in den EU-Mitgliedsländern in Kraft treten soll. Als Referenten dazu waren eingeladen Magister Viktor Szontagh, Attaché für Veterinärangelegenheiten aus Österreich, Dr. Nancy De Briyne, stellvertretende FVE-Generalsekretärin und Prof. Dr. Manfred Kietzmann von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Der zweite Block drehte sich um das im Moment sehr heiß diskutierte Thema TÄHAV-Novelle, die seit dem 1.3.2018 in Kraft ist und viele Änderungen für die TierärztInnen mit sich bringt, u.a. in Sachen Dokumentationspflicht und die Anfertigung von Antibiogrammen. Hier zeigte sich deutlich,

dass sowohl auf Seiten der praktizierenden TierärztInnen als auch auf Seiten der Veterinärbehörden große Unsicherheit herrscht, wann was wie erfolgen und wie was wann zu ahnden ist. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die Fragen im Einzelnen geklärt sind, ggf. auch im Einzelfall durch Gerichtsurteile. Viel diskutiert wurde zudem die Frage, was ist nach der neuen Verordnung eine Straftat. Referenten dieses Blocks waren Dr. Arno Piontkowski (BbT-Vizepräsident, Dr. Siegfried Moder als bpt-Präsident und Nutztierpraktiker sowie Dr. Wolfgang Hansen, Rechtsanwalt. Der letzte Themenblock war der Evaluierung der 16. AMG-Novelle gewidmet, die für 2019 ansteht. Dazu werden nun erst die gesammelten Daten ergebnisoffen ausgewertet, wie Dr. Anke Schröder vom BMEL erklärte. Weiterer Referent war Thomas May von der QS GmbH, der die Datenerfassung in Sachen Antibiotikaeinsatz durch das privatwirtschaftliche Unternehmen erklärt hat. Den Abschluss bildete das Referat von PD Dr. Andreas Palzer, Mitglied des bpt-Präsidums und niedergelassener Tierarzt. Moderiert wurde die Veranstaltung vom bpt-Geschäftsführer Heiko Färber.

02.03.2018: Europäisches One-Health-Programm zur Reduzierung von Infektionskrankheiten bei Mensch und Tier

Anfang des Jahres startete ein europäisches One-Health-Programm, an dem 40 Partner aus 19 europäischen Ländern beteiligt sind. Ziel des Programms ist es, die Infektionskrankheiten bei Mensch und Tier zu reduzieren und so auch der weiteren Entstehung von Antibiotikaresistenzen zu begegnen. Das Programm folgt der Erkenntnis, dass 60 Prozent aller Infektionserreger Mensch und Tier gleichermaßen infizieren können. Dieser Herausforderung soll im sogenannten One- Health-Ansatz begegnet werden. Dabei sollen Ärzte, Tierärzte und andere Gesundheitsexperten zusammenarbeiten. Dafür wurde in Europa das „European Joint Programme“ (EJP) gestartet. Deutsche Partner des „European Joint Programme“ zu One Health sind das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das Friedrich-Loeffler- Institut und das Robert-Koch-Institut. Ziel ist der Aufbau einer europäischen Plattform für One Health. Dabei stellt die

Untersuchung von Infektionserrregern, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können, einen Schwerpunkt des EJP dar. Geleitet wird das One Health EJP von der französischen Agentur für Lebensmittelsicherheit, Umwelt- und Arbeitsschutz (ANSES). Die Kooperation zwischen den 40 Partnern soll durch das Programm gestärkt werden. Die Partner haben jeweils auch Referenzaufgaben, geben also den Maßstab für Untersuchungen vor. Sie bilden bereits ein organisiertes Netzwerk und repräsentieren eine Forschergemeinschaft in den Themenbereichen lebensmittelbedingte Zoonosen, Antibiotikaresistenzen und Emerging Threats. Über insgesamt fünf Jahre werden 90 Millionen € für die Aktivitäten in diesem Netzwerk ausgegeben. 50 % der Kosten werden von der Europäischen Kommission bereitgestellt, die andere Hälfte tragen die jeweiligen Mitgliedsländer.

BfR