Presseschau

07.12.2017: Nicht-natürliche Derivate der Orchidee kann Gram-positive Erreger bekämpfen

Forscher der Universitäten Stuttgart und Tübingen haben neue Hoffnungen im Kampf gegen multiresistente Bakterien aufkeimen lassen. Es ist ihnen gelungen, grundlegend neuartige Antibiotika-Strukturen nachzuweisen. Dabei handelt es sich um nicht-natürliche Derivate der aus Orchideen der Spezies Clusia rosea isolierten Naturstoffklasse der polyzkylischen polyprenylierten Acylphloroglucine (PPAP).

Diese weisen eine gute antibiotische Wirksamkeit auf und sind, ausgehend von einer sehr gut verfügbaren Grundchemikalie, in nur wenigen Schritten auch in größeren Mengen verfügbar. Zudem besitzen sie eine sehr geringe Toxizität gegenüber menschlichen Zellen. Vor allem die Bekämpfung Gram-positiver Bakterien wurde in der Vergangenheit immer schwieriger, da die Bakterien immer mehr Resistenzen entwickeln.

Universität Stuttgart

06.12.2017: Antibiotikaeinsatz beim Geflügel in Österreich halbiert

Seit 2011 hat sich der Einsatz von Antibiotika bei Geflügel in Österreich halbiert. Dies geht aus dem "Antibiotika Monitoring Report 2017" der Österreichischen Qualitätsgeflügelvereinigung (QGV) hervor. Wurden beim Geflügel in Österreich im Jahr 2011 noch 4,71 Tonnen Antibiotika verwendet, sank der Einsatz im Jahr 2016 auf noch 2,22 Tonnen. Die QGV sieht dies als großen Erfolg an und geht davon aus, dass sich der Einsatz auf einem niedrigen Niveau einpendeln wird, da die kranken Tiere auch ein Recht auf Behandlung haben. Deshalb ist es das Ziel,

zukünftig besonders den Einsatz von Antibiotika, die für den Einsatz beim Menschen als besonders wichtig angesehen werden, zu senken. Auch hier konnten laut QGV Erfolge erzielt werden. Der Einsatz solcher Antibiotika sank von 2013 bis 2016 von 1,24 auf 0,69 Tonnen. Der Bericht der QGV basiert auf den Daten in der Datenbank "Poultry Health Data" (PHD), in der alle Impfungen und Antibiotika-Verschreibungen für Geflügel verpflichtend und lückenlos durch Tierärzte dokumentiert werden müssen.

QGV

01.12.2017: Niedrigere Antibiotikaresistenzen bei Bio-Geflügel

Das repräsentative Zoonosen-Monitoring für das Jahr 2016 zeigt, dass offenbar bei bestimmten bakteriellen Erregern in ökologischen Geflügelhaltungen geringere Resistenzraten vorkommen als bei den Erregern aus konventioneller Haltung. Dies teilt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im Rahmen der Bekanntgabe des Monitoringberichtes mit. Insgesamt wurden im Rahmen des Monitorings im Jahr 2016 6.706 Proben auf allen Ebenen der Lebensmittelkette genommen. Die fast 3.000 gewonnenen Bakterien-Isolate wurden entsprechend charakterisiert und auf ihre Resistenz gegenüber ausgewählten Antibiotika untersucht. Dabei zeigte sich, dass der Anteil resistenter Isolate bei Mastgeflügel weiterhin hoch ist. Besonders besorgniserregend ist aus Sicht des BVL die zunehmende Resistenzrate gegenüber Fluorchinolonen, denn dieser Wirkstoffgruppe wird eine besondere Bedeutung

für die Behandlung des Menschen zugeschrieben. Dabei fielen den Untersuchern besonders unterschiedliche Resistenzraten bei Isolaten auf, die aus konventioneller oder biologischer Geflügelerzeugung stammten. Während bei E. coli-Isolaten aus konventioneller Haltung 86,7 Prozent der Erreger Resistenzen gegenüber einem oder mehreren Antibiotika aufwiesen, war dies bei Isolaten aus biologischer Haltung nur bei 29 Prozent der Fall. Auch die Resistenzraten gegenüber dem Fluorchinolon Ciproflaoxacin unterschieden sich deutlich. Bei Isolaten aus konventioneller Haltung waren 44,5 Prozent resistent, während es nur 9,7 Prozent der Isolate aus biologischer Haltung waren. Diese Untersuchungsergebnisse verdeutlichen laut BVL, dass der Einsatz von Fluorchinolonen beim Geflügel auf das absolut notwendige Maß reduziert werden muss.

BVL

29.11.2017: Antibiotika-Verordnungen in der Humanmedizin auf konstantem Niveau

Die Apotheken in Deutschland haben im vergangenen Jahr ähnlich viele Antibiotika abgegeben wie in den Vorjahren. Das ergab eine Auswertung des Deutschen Arzneiprüfungsinstituts e. V. (DAPI) anlässlich des Europäischen Antibiotikatages. Demnach gaben die Apotheken 12,6 definierte Tagesdosen pro 1.000 Versicherte und Tag (DID) ab. In den Jahren 2012 bzw. 2014 betrug der Wert 13,1 bzw. 12,8 DID. Allerdings gibt es in Europa große Unterschiede im

Antibiotikaeinsatz. Während es im Jahr 2015 in den Niederlanden nur 10,7 DID waren, betrug der Wert beim Spitzenreiter in Griechenland 36,1 DID. Der Mittwelwert in ganz Europa lag bei 22,4 DID. Dr. Andreas Kiefer, Vorstandsvorsitzender des DAPI, verwies allerdings auch darauf, dass diese Zahlen nicht eins zu eins mit den deutschen Zahlen verglichen werden können, da z.B. in der aktuellen Auswertung des DAPI keine Verordnungen von Zahnärzten berücksichtigt wurden.

DAPI

22.11.2017: Häufige vorschnelle Schlussfolgerungen beim Thema Antibiotikaresistenzen

Im Rahmen der internationalen Antibiotika-Awareness-Woche organisierte die Schweizer Geflügelbranche am 17. November 2017 eine Pressekonferenz zur Situation bezüglich Antibiotikaresistenzen in der Geflügelfleischproduktion. Dort präsentierte u.a. Prof. Dr. Roger Stephan vom Institut für Lebensmittelsicherheit der Universität Zürich wissenschaftliche Fakten, die die oft negativen Pauschalurteile der Medien und der Öffentlichkeit widerlegen. Er selbst leitete mehrere Untersuchungen zur Resistenz-Problematik bei Geflügel und Geflügelfleisch. Auf der Pressekonferenz beleuchtete er die Problematik aus wissenschaftlicher

Sicht und erläuterte eingangs die verschiedenen Wirkmechanismen der Antibiotika und der Resistenzen. Er kritiserte zugleich, dass in den Medien und in der öffentlichen Meinung häufig vorschnelle Schlussfolgerungen gezogen werden, wie z.B., dass die Situation auf einen übermäßigen Einsatz von Antibiotika in der Tierproduktion zurückzuführen sei oder dass das Geflügel hauptverantwortlich für die Resistenzen beim Menschen sei sowie dass auf Geflügelfleisch große Mengen multiresistenter Keime vorzufinden seien. Alle drei Behauptungen seien aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar, wie Stephan mit entsprechenden Studienresultaten, teils aus seinem Institut, belegen konnte.

Landwirtschaftlicher Informationsdienst

22.11.2017: Enstehung und Verbreitungswege multiresistenter Keime aufgeklärt

Ein internationales Forscherteam hat den Entwicklungs- und Verbreitungsweg des multiresistenten Stapylococcus aureus (MRSA) "USA300" aufgeklärt. Dieser Erreger, der seit dem Jahr 2000 in den USA zirkuliert und auch in Europa und der Pazifikregion Asiens nachgewiesen wurde, ist von besonderem Interesse, da er nicht nur multiresistent ist, sondern auch sehr stark krankmachende Eigenschaften aufweist. Die Forscher verglichen in ihrer Studie die Genome von 224 zeitlich und räumlich verschieden auftretenden Isolaten. Die Ergebnisse widerlegten die Vermutung über den Ursprung des Erregers. Denn die Forscher vermuteten, dass der Erreger in Afrika entstanden ist. Die Ergebnisse

der Untersuchungen zeigten aber, dass der "USA300" vermutlich aus einem weniger virulenten Vorläufer in Europa bereits Mitte des 19. Jahrhunderts hervorgegangen ist. Von dort aus gelangte er zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Nordamerika, entwickelte dort seine heutige Charakteristik und gelangte erst dann nach Afrika. Die Studienergebnisse der Wissenschaftler bilden die Grundlage für eine fortlaufende Überwachung der Verbreitungswege des multiresistenten Keims. Diese zu kennen ist entscheidend, um eine weitere Ausbreitung verhindern und mögliche Ausbrüche besser kontrollieren zu können.

idw

21.11.2017: Umweltverträgliche Antibiotika zum Patent angemeldet

An der Universität Lüneburg ist es Wissenschaftlern gelungen, die Struktur des Antibiotikums Ciprofloxacin so zu verändern, dass es in der Umwelt zerfällt, im Tier oder Menschen aber stabil bleibt. Damit wollen sie helfen, das Problem zu lösen, dass beim Menschen oder bei Tieren angewendete Antibiotika in die Umwelt gelangen. Sind sie dort lange stabil, so können sie dort zur Resistenzbildung beitragen. Die Lüneburger Forscher hatten Ciprofloxacin ganz bewusst für ihre Forschung ausgewählt, da es häufig angewendet wird und in der Umwelt lange stabil ist. Die Forscher, deren

Arbeiten von der Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit 460.000 Euro unterstützt wurden, haben das veränderte Molekül zum Patent angewendet. Bis zum fertigen Medikament ist es allerdings noch ein weiter Weg, der weitere Forschung erfordert. Allerdings ist es nicht das erste Mal, dass die Forscher die Umweltverträglichkeit eines Arzneimittelwirkstoffs verbessern konnten. Bereits 2015 gelang es ihnen, die biologische Abbaubarkeit von Propanolol, das beim Menschen häufig gegen Bluthochdruck eingesetzt wird, zu verbessern.

idw

17.11.2017: Die Bundestierärztekammer zur World Antibiotic Awareness Week

Anlässlich der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durchgeführten World Antibiotic Awareness Week weist die Bundestierärztekammer (WAAW) darauf hin, dass jeder Tierhalter mithelfen kann, den Antibiotikaeinsatz zu verringern. Hintergrund ist, dass durch den übermäßigen und teilweise unsachgemäßen Einsatz von Antibiotika bei Mensch und Tier Resistenzen entstanden sind und die Antibiotika teilweise nicht mehr wirksam sind. Um die Entstehung weiter Resistenzen zu vermeiden und den Einsatz von Antibiotika möglichst gering zu halten, können alle Tierhalter ihren Beitrag leisten. "Ein gesundes Tier braucht kein Antibiotikum. Gute Pflege, regelmäßige Impfungen, Wurmkuren und ein jährlicher Gesundheitscheck beim Tierarzt sollten darum

selbstverständlich sein", erklärt Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der BTK. Sind Hund, Katze, Pferd oder Kaninchen trotz aller Fürsorge erkrankt, kann eine Antibiotikagabe unabdingbar sein. Die BTK gibt dabei einige Hinweise, was zu beachten ist. So sollten sich Tierhalter unbedingt an die Behandlungsanweisung des Tierarztes halten und dem Tierarzt vertrauen, wenn er einen Resistenztest für erforderlich hält, um die Wirksamkeit der Antibiotika zu überprüfen. Auf keinen Fall sollten eigenmächtig Humanarzneimittel eingesetzt werden. Diese können dem Tier im schlimmsten Fall sogar schaden. Um die Übertragung von Infektionserregern zu vermeiden, sollten nach dem Streicheln die Hände gewaschen werden.

BTK

16.11.2017: Krankenhäuser können Antibiotika-Verbrauch vergleichen

Das Robert-Koch-Institut (RKI) weist in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) anlässlich des Europäischen Antibiotikatages am 18.11. darauf hin, dass in dieser Woche die Antibiotika-Verbrauchs-Surveillance (AVS) freigeschaltet wurde. Diese bietet Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen erstmals die Möglichkeit, den eigenen Antibiotikaverbrauch mit Referenzdaten zu vergleichen. Die AVS wurde gemeinsam mit dem

Nationalen Referenz­zentrum für die Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ) für den stationären Sektor aufgebaut. Seit 2015 läuft AVS im Routinebetrieb. Bisher haben sich mehr als 300 Krankenhäuser angemeldet. 190 Einrichtungen liefern Daten für die Datenbank. Neben der AVS führt das RKI auch eine Antibiotika-Resistenz- Surveillance (ARS) durch. Hierbei können Kliniken und niedergelassene Ärzte die Resistenzentwicklung vor Ort verfolgen und entsprechend ihre Verordnungen anpassen.

RKI

15.11.2017: Experten fordern von Politik Maßnahmen im Kampf gegen multiresistente Erreger

Eine breite Koalition von Experten aus dem Bereich der Infektionsmedizin unter Führung der Leibniz-Gemeinschaft hat die Politik zum weiteren Handeln im Kampf gegen multiresistente Erreger aufgerufen. Dabei stehen zwei Themenbereiche im Vordergrund des Interesses, für die die Wissenschaftler verstärkte öffentliche Unterstützung fordern. Einmal ist dies der Bereich der Diagnostik. Denn mit den gängigen Diagnoseverfahren dauert es bis zu 72 Stunden, bis die Informationen, die für eine therapeutische Entscheidung notwendig sind, vorliegen. Dies bedeutet dann aber, dass z.B. bei einer lebensbedrohlichen Sepsis bereits mit einer Blindbehandlung mit einem Breitspektrumantibiotikum begonnen werden muss. Dabei kann es vorkommen, dass "mit Kanonen auf Spatzen geschossen werde", was aber wiederum die Entstehung weiterer Resistenzen begünstigen könne. Deshalb sollte die Erforschung und Entwicklung schneller Diagnoseverfahren intensiv vorangetrieben

werden. Auf der anderen Seite müssen neuartige therapeutische Lösungen und experimentelle Therapieansätze erforscht und klinisch getestet werden. Hierzu zählen unter anderem die Behandlung mit neuen Kombinationen vorhandener Wirkstoffe, der Einsatz von Nanopartikeln als Wirkstoffträger, Immunzell-basierte Therapien oder völlig neuartige Therapien, die eine Resistenzbildung seitens der Mikroorganismen vermeiden oder zumindest verzögern. Die Unterzeichner fordern von der Bundesregierung, dass interdisziplinäre Forschungsstrukturen geschaffen werden, in denen neue Lösungen im Kampf gegen multiresistente Erreger erforscht und zur Marktreife entwickelt werden. Zu den Unterzeichnern gehören u.a. Vertreter der Leibniz-Gemeinschaft, der Universität Jena, verschiedener Leibniz-Institute aber auch Partner der BMBF-geförderten Initiativen „InfectoGnostics Forschungscampus Jena“ und „InfectControl 2020“.

Leibniz-Institutes für Photonische Technologien e.V. (IPHT)