Presseschau

24.09.2020: Forscher entwickeln Biosynthese natürlicher Antibiotika weiter

WissenschaftlerInnen der Universität des Saarlandes sind der biotechnologischen Herstellung von Nucleosid-Antibiotika einen Schritt näher gekommen. „Labor-Experimente zeigen, dass Nucleosid-Antibiotika eine starke antibiotische Wirkung auf krankmachende Bakterien haben können“, sagt Christian Ducho, Professor für Pharmazeutische und Medizinische Chemie an der Universität des Saarlandes. Wegen ihres Wirkmechanismus könnten Nucleosid-Antibiotika auch gegen resistente Bakterien wirksam sein. Deren Produzenten sind sogenannte Streptomyceten, eine Gruppe nicht-pathogener Bodenbakterien,

welche Nucleosid-Bausteine aus ihrem Stoffwechsel abzweigen. Die Biosynthese natürlicher Antibiotika ist eine Alternative zu der sehr aufwändigen chemischen Synthese. In ihrer Publikation haben die Saarbrücker Forscher einen der wichtigsten Teilschritte in der Biosynthese der Muraymycine – den Einbau einer bestimmten Untereinheit – gründlich aufgeklärt. „Das könnte eine zukünftige biotechnologische Produktion von Muraymycin-abgeleiteten Antibiotika erleichtern und die Entwicklung dieser Substanzen zu Arzneistoff-Kandidaten weiter vorantreiben“, erklärt Ducho abschließend.

Uni des Saarlandes

11.09.2020: Bessere Hygiene kann Resistenzen eindämmen

Global wächst die Bedrohung durch eine zunehmende Zahl von Antibiotikaresistenzen. Schätzungen gehen davon aus, dass die Resistenzraten gegen häufig verwendete Antibiotika in einigen Ländern bis 2030 40-60% übersteigen könnten. Wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden, kann die antimikrobielle Resistenz (AMR) bis 2050 das Leben von 10 Millionen Menschen fordern. Daher rufen die Experten des Global Hygiene Council (GHC) zu einer Überprüfung der Hygienepraktiken im Haushalt und im täglichen Leben auf. Dadurch soll sichergestellt werden, dass diese wirksam und angemessen für die aktuellen, dringenden Probleme der öffentlichen

Gesundheit sind. Denn eine bessere Hygiene im häuslichen Umfeld sowie im Alltag tragen wesentlich zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenz bei, und zwar auf zweierlei Art und Weise: Erstens verhindert sie Infektionen und verringert dadurch die Notwendigkeit der Verschreibung von Antibiotika und sie verhindert zweitens die Ausbreitung von antibiotikaresistenten Infektionen von Mensch zu Mensch. Entsprechend wichtig sei es, die während der Corona-Pandemie eingeführten Hygieneregeln auch nach der Pandemie weitestgehend beizubehalten. Mehr Informationen zur Antibiotikaminimierung im Stall finden Tierärztinnen und Tierärzte unter VetMAB.de

ots


Global Hygiene Council


VetMAB: Antibiotikaminimierung im Stall

08.09.2020: Forscher entwickeln tragbare Lösung zur Versorgung von chronischen Wunden

WissenschaftlerInnen der Purdue University in West Lafayette/Indiana haben eine mobile Ozontherapie zur Behandlung chronischer Wunden aufgrund von antibiotikaresistenten Infektionen entwickelt. Bisher waren für die antimikrobielle Behandlung mit Ozon ein klinisches Umfeld und speziell ausgebildetes Personal erforderlich. „Wir haben ein kostengünstiges tragbares Pflaster und die zugehörigen Komponenten für die Ozontherapie umgesetzt", erklärt Forschungsleiter Rahim Rahimi. Mit dieser "revolutionären Art von Behandlung" werden die Bakterien auf der Oberfläche der Wunde oder dem diabetischen

Ulcus abgetötet, was wiederum den Heilungsprozess beschleunigt. Dieser neue Therapieansatz könnte Millionen Menschen eine Behandlung in ihren eigenen vier Wänden ermöglichen. Denn allein in den USA leiden mehr als sechs Mio. Menschen an chronischen Wunden. „Unser atmungsaktives Pflaster wird auf der Wunde angebracht und dann mit einem kleinen, batteriebetriebenen Ozon produzierenden Gerät verbunden", erläutert Rahimi. Das Gas wird auf die Oberfläche der Wunde transportiert und ermöglicht so einen gezielten Ansatz für die Wundheilung. Die Studie wurde in "Frontiers in Bioengineering and Biotechnology" veröffentlicht.

Purdue University


Pressetext

26.08.2020: Steigende Resistenzen durch Corona-Behandlungen

Die Antibiotika-Behandlung von Corona-Patienten zur Verhinderung möglicher bakterieller Sekundärinfektionen könnte zu einer Zunahme von Resistenzen führen. Wie Wissenschaftler der University of Plymouth und des Royal Cornwall Hospital Trust herausfanden, drohen erhöhte Werte von Antibiotika in Flüssen und Küstengewässern

Großbritanniens, denn bis zu 95 Prozent der stationären COVID-19-Patienten erhalten als Teil ihrer Behandlung Antibiotika, vor allem die Wirkstoffe Doxycyclin und Amoxicillin oder eine Kombination aus beiden. Eine derartig groß angelegte Verabreichung dieser Medikamente könnte größere ökologische Folgen haben.

pte

26.08.2020: Antibiotikaeinsatz in der Veterinärmedizin in der Schweiz weiter gesunken

Die Gesamtmenge vertriebener Antibiotika zur Behandlung von Tieren hat in der Schweiz im Jahr 2019 erneut abgenommen. Dies geht aus dem Jahresbericht über den Antibiotikavertrieb in der Veterinärmedizin hervor. Demnach sank die Gesamtmenge gegenüber dem Vorjahr um rund 7 Prozent, obgleich der Antibiotikavertrieb bei Heimtieren um 1,5 % gestiegen ist. Erfreulicherweise hat sich auch die Menge kritischer Antibiotika um ein Viertel gegenüber dem Vorjahr reduziert. Diese Antibiotika sollten nur zum Einsatz kommen, wenn andere antibiotische Wirkstoffe nicht mehr wirksam sind. Betrachtet man den Zeitraum 2009 bis 2019, ist der Vertrieb von Antibiotika sogar um 55 Prozent zurückgegangen. Diese kontinuierliche Abnahme des Antibiotikavertriebs weist auf eine hohe Sensibilisierung der Tierärzteschaft und der Tierhalter hin. In der Schweiz werden im Rahmen der Überwachung der Entwicklung von

Resistenzen bei Tieren analog zur EU gesunde Mastschweine und -kälber auf Resistenzen untersucht. Die Daten zeigten 2019 keinen Anstieg von Resistenzen gegenüber den untersuchten Wirkstoffen. Beim Schwein sind die Resistenzraten der Bakterienart Campylobacter jejuni/coli gegenüber der kritischen Antibiotikaklasse Fluorchinolone zwar leicht steigend, die Resistenzen gegenüber Makroliden sind jedoch weiterhin gering. Während Resistenzen bei Schweinen gegen Staphylococcus aureus weiter angestiegen sind, wurde bei Mastkälbern der tiefste Wert seit 2013 beobachtet. Neben den Antibiotikavertriebsdaten werden seit 2019 in der Schweiz in das Informationssystem Antibiotika für Veterinärmedizin (IS-ABV) auch der Verbrauch von Antibiotika von Tierärztinnen und Tierärzten eingetragen. Dadurch können übermäßige oder unsachgemäße Antibiotikaverwendungen identifiziert werden.

Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen der Schweiz

20.08.2020: Betriebe für Forschungsprojekt zum selektiven Trockenstellen gesucht

Für ein Forschungsprojekt zur Antibiotika-Minimierung suchen das Thünen- und das Max-Rubner-Institut 16 Milchviehbetriebe, die bereit sind, antibiotische Trockensteller selektiv nur zur Behandlung von nachweislich infektiösen Eutervierteln einzusetzen. Entsprechende Untersuchungen auf den Betrieben sollen ab Anfang Oktober 2020 beginnen. Teilnehmende Betriebe sollten mindestens 75 Kühe halten, an der Milchleistungsprüfung teilnehmen und nach QM auditiert sein. Die Betriebsleiter sollten Interesse an einem intensiven Austausch mit den Wissenschaftlen und Berufskollegen haben und sich aktiv an Wissenstransferveranstaltungen beteiligen. Die damit verbundenen Untersuchung der Proben ist für die Betriebe selbstverständlich kostenfrei und erfolgt im Labor des Max-Rubner-Instituts.

Die Betriebe erhalten zudem eine Aufwandsentschädigung für die verwendete Zeit bei Betriebsbesuchen durch die Wissenschaftler, Probenahme und Dokumentation. Fahrtkosten zu Treffen mit anderen Projektbetrieben und zu den Wissenstransfertagen werden ebenfalls erstattet. Interessierte Betriebsleiter werden gebeten, sich beim Thünen-Institut zu melden (Kerstin Barth: kerstin.barth@thuenen.de, Tel.: 04539 8880312). Das Projekt „MinimA – Nachhaltige Minimierung des Antibiotikaeinsatzes durch viertelselektive Trockenstellbehandlung bei Milchkühen“ wird im Rahmen der Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gefördert.

topagrar.de


MuD Projekt


VetMAB - Antibiotikaminimierung im Stall

18.08.2020: RNA-Einzelzellsequenzierung kann bei Resistenzproblematik helfen

Die zunehmende Zahl von Resistenzen gegen die verfügbaren antibiotischen Wirkstoffe stellt die Menschheit vor ein ernsthaftes Problem. Wissenschaftler des Würzburger Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) konnten jetzt mit einem neuen Verfahren die Aktivität von Genen in individuellen Bakterien bestimmen. Mit Hilfe der bakteriellen RNA-Einzelzellsequenzierung könnten in Zukunft die Tricks der Bakterien zur Ausbildung von Resistenzen identifiziert und möglicherweise gestoppt werden. „Wenn es uns gelingt, das Transkriptom eines Bakteriums zu analysieren,

das sich erfolgreich gegen eine antibiotische Behandlung durchsetzt, können wir tiefer in seine Trickkiste schauen“, erklärt Prof. Jörg Vogel, Direktor des HIRI und gleichzeitig Vorstand des Instituts für molekulare Infektionsbiologie an der Medizinischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg den Erfolg des Verfahrens. „Wir sind mit der RNA-Einzelzellsequenzierung einen großen Schritt vorangekommen, um bakterielle Krankheitserreger und die Entstehung von Antibiotika-Resistenzen besser zu verstehen und mögliche Ansatzpunkte für wirksame Medikamente zu finden“, sagt Vogel weiter.

Helmholtz-Institut

13.08.2020: QS meldet weiter gesunkenen Antibiotikaeinsatz

Betriebe des QS-Systems konnten ihren Antibiotikaeinsatz weiter verringern. Er war in den Schweine, Mastkälber und Geflügel haltenden Betrieben seit Beginn der Erfassung noch nie so gering. Von 706,2 Tonnen im Jahr 2014 konnten Tierhalter und Tierärzte gemeinsam die Menge der eingesetzten Antibiotika um 251,2 Tonnen auf 455 Tonnen (-35,6 %) im Jahr 2019 reduzieren. Nach einem zunächst starken Rückgang in den ersten Jahren verringerten sich auch die Gaben in den Jahren 2018 und 2019 um weitere 8,7 Tonnen (knapp 2 %). Besonders deutlich ist die Entwicklung bei den kritischen Antibiotikagruppen, die für die Humanmedizin von besonderer Bedeutung sind: Die verabreichte Menge in den QS-Betrieben halbierte sich bei Fluorchinolone von 7,3 Tonnen auf 3,6 Tonnen und bei Cephalosporinen der

3. und 4. Generation von 0,36 Tonnen auf 0,18 Tonnen. Im ersten Halbjahr 2020 konnten die Gaben von Cephalosporinen um weitere 11,4 % und die von Fluorchinolone um 5,5 % verringert werden. Auch bei den anderen Wirkstoffgruppen liegen die Werte unter den Vergleichszahlen des ersten Halbjahres 2019. Dieses Ergebnis entspricht der Entwicklung der Mengen der in der Veterinärmedizin abgegebenen Antibiotika in Deutschland, wie sie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlicht hat. Diese beziehen sich -im Unterschied zu den QS-Zahlen- jedoch auf alle Abgaben an Nutz- und Haustiere, eine Unterscheidung nach Tierarten erfolgte nicht. Folglich sind nur die Entwicklungen, nicht aber die absoluten Mengen mit dem QS-System vergleichbar.

QS

10.08.2020: Anmeldefrist für kostenfreies BVL-Antibiotika-Webinar endet in Kürze

Am 11. August 2020 findet vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ein Webinar zum Thema "Antibiotikaeinsatz bei Tieren in Deutschland" statt. Dabei wird Dr. Jürgen Wallmann ein Update zur aktuellen Situation geben. Außerdem werden die von den Tierärztinnen und Tierärzten im Rahmen des BVL E-Leanings zum Thema Antibiotika eingereichten Fragen von den Referenten Dr. Jürgen Wallmann, Dr. Heike Kaspar

und Dr. Christoph Bode beantwortet. Selbstverständlich wird auch auf weitere Fragen der Webinar-Teilnehmer eingegangen. Die Teilnahme am Webinar ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist noch bis zum 11. August 2020 um 15:00 Uhr möglich. Für die erfolgreiche Teilnahme an dieser Online-Fortbildung wird eine ATF-Stunde anerkannt. Die Anmeldung erfolgt über www.Myvetlearn.de; technisch wird das Webinar Vetion.de realisiert.

Zur Anmeldung

30.07.2020: Grippeviren in Schweinehaltungen besitzen präpandemisches Potenzial

Zusammen mit dem Universitätsklinikum Freiburg hat das Friedrich- Loeffler-Institut (FLI) eine umfangreiche Studie veröffentlicht, die sich mit neuen Grippeviren mit präpandemischem Potenzial in Schweinehaltungen befasst hat. Bekannt ist, dass sich in Schweinen eine zunehmende Anzahl diverser, von Mensch, Schwein oder Vogel stammenden Influenzaviren vermehren und neu sortieren können. Daraus können wiederum zunehmend neue Virusvarianten entstehen. Für ihre Untersuchungen haben die ForscherInnen gut 18.000 Einzelproben aus fast 2.500 schweinehaltenden Betrieben mit Atemwegserkrankungen bei Schweinen in Deutschland und 16 weiteren europäischen Ländern analysiert. In über 50 Prozent der untersuchten Betriebe konnten die ForscherInnen ganzjährig Influenzavirusinfektionen ausmachen. Schwerpunktmäßig wurden besonders die Viren untersucht, die ein mögliches Potential haben, auf den Menschen übertragen zu werden. Die WissenschaftlerInnen konnten belegen, dass einige

Varianten der analysierten Influenzaviren ein zoonotisches Potential haben. „Einige der Schweine-Influenza-Viren haben bereits eine wichtige Barriere für die Übertragung auf den Menschen überwunden. Das erhöht das Risiko deutlich“, sagt Prof. Dr. Martin Schwemmle vom Universitätsklinikum Freiburg. Die Studienergebnisse sollen zu einem besseren Kenntnisstand über die Infektionslage und damit zu verbesserten Bekämpfungsstrategien sowie einer Optimierung von Impfstoffen für Schweine gegen Influenzaviren beitragen, was wiederum zu mehr Tierwohl führen, aber auch wirtschaftliche Einbußen in der Schweineproduktion vermindern könnte. Gleichzeitig würde ein Rückgang der Influenzaviren in Schweinebeständen eine Verringerung des Expositionsrisikos von Menschen gegenüber potentiell zoonotischen Influenzaviren aus diesem Reservoir bewirken. „Der vielbeschworene 'One Health-Gedanke' ließe sich gerade hier erfolgversprechend in praktische Projekte zum gegenseitigen Nutzen von Mensch und Tier umsetzen“, sagt Prof. Dr. Timm Harder vom FLI.

FLI