Presseschau

17.10.2017: Procalcitoningabe reduziert Dauer der Antibiotikatherapie und verringert Mortalitätsrate

Procalcitonin ist ein körpereigener Infektionsmarker, durch den die Antibiotikatherapie verkürzt werden kann. Das fanden Wissenschaftler aus der Schweiz jetzt in Studien heraus. Außerdem konnte der Einsatz von Procalcitonin die Mortalität bei Patienten mit

Atemwegsinfektionen senken. Erzielt wurde eine Reduktion der relativen Mortalität nach 30 Tagen von 14% (von 10% auf 8,6%) sowie eine 25-prozentige Reduktion von Antibiotikanebenwirkungen (von 22,1% auf 16,3%).

Universität Basel

06.10.2017: Wirksamkeit von Antibiotikum kann binnen 30 Minuten überprüft werden

Mit Hilfe eines neuartigen Tests kann binnen 30 Minuten abgeklärt werden, ob ein Antibiotikum bei der vorliegenden Harnwegsinfektion wirksam ist oder nicht. Dies ermöglicht den zielgerichteten Einsatz von ausschließlich wirksamen Antibiotika. Für den neuen Test der Wissenschaftler des California Institute of

Technology wird eine Urinprobe in zwei Portionen geteilt. Während eine mit einem Antibiotikum versetzt wird, bleibt die andere unbehandelt. Wirkt das Antibiotikum, werden bereits nach Minuten die Zellwände der Bakterien zerstört. Dies kann anhand floreszierdener DNA ermittelt werden.

pte

04.10.2017: Kennzahlen zur Therapiehäufigkeit bei Masttieren für das 1. Halbjahr 2017 veröffentlicht

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat die nach dem § 58d des Arzneimittelgesetzes zu erhebenden Kennzahlen zur Therapiehäufigkeit bei Masttieren für das 1. Halbjahr 2017 ermittelt und veröffentlicht. Mit diesen Kennzahlen werden die Antibiotikaanwendungen bei Masttieren erfasst, und für die Betriebe, die sehr viel Antibiotika angewendet haben, ergeben sich Konsequenzen. Hier zeigte sich ein unterschiedliches Bild. Während die Kennzahlen sowohl für Mastkälber über drei Monate, Ferkel bis zu 30 Kilogramm Körpergewicht und auch

für Mastschweine über 30 Kilogramm sanken, stiegen die Kennzahlen sowohl bei Mastputen als auch bei Masthühnern an. Betroffen waren jeweils die Kennzahlen "Median" und "Drittes Quartil". Liegt ein Betrieb über der Kenzahl 1 (Median), muss der Betrieb gemeinsam mit dem Betrieb die Ursachen dafür ermitteln und ggf. Maßnahmen zur Reduzierung ergreifen. Liegt der Betrieb über der Kennzahl 2 (Drittes Quartil), muss der Betrieb einen schriftlichen Maßnahmenplan an die zuständige Behörde senden.

BVL

28.09.2017: Antibiotikaverkäufe in der Schweiz weiter rückläufig

Auch im Jahr 2016 ist die Menge der in der Veterinärmedizin verkauften Antibiotika in der Schweiz weiter gesunken. Wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) mitteilt, sanken die Verkäufe insgesamt um 9 Prozent gegenüber 2015 auf noch 38.300 Kilogramm. Betrachtet man den Zeitraum seit 2008, so ergibt sich ein Rückgang um 45 Prozent. Erfreut zeigte man sich in der Schweiz darüber, dass erstmals auch der Verkauf der für die Humanmedizin als kritisch eingeschätzten Wirkstoffe im vergangenen Jahr deutlich sank, nachdem die Vertriebsmengen in den Vorjahren eine schwankende Entwicklung zeigten. Die Menge dieser Antibiotika sank im Jahr 2016 um 23 bis

25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das BLV weist daraufhin, dass die stete Abnahme der Gesamtverkaufsmenge auf eine Bewusstseinsänderung bei den Tierärzten und den Tierhaltern hindeute. Auch geht man davon aus, dass die eingeleiteten Maßnahmen wie das Verbot der Abgabe von kritischen Wirkstoffen auf Vorrat oder von Antibiotika für den prophylaktischen Einsatz Wirkung zeigen. Allerdings lassen die reinen Verkaufszahlen keinen Schluss über den sachgerechten Einsatz der Antibiotika in der Veterinärmedizin zu. Hier erhofft man sich präzisere Angaben, wenn die für das Jahr 2019 geplante Datenbank in Betrieb genommen wird.

BLV Schweiz

22.09.2017: Neuer GERM-Vet-Bericht erschienen

Im Rahmen des Resistenzmonitorings GERM-Vet werden vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) werden seit 2001 Resistenzdaten zu tierpathogenen Bakterien erhoben. Diese Daten sollen Tierärzten Entscheidungshilfen liefern und gehen auch in die Zulassungsverfahren von Tierarzneimitteln ein. Für jedes Studienjahr wird dabei ein Stichprobenplan erstellt. Von den einsendenden Laboren werden dann die entsprechenden Bakterienisolate an das BVL übermittelt und dort wird ihre Empfindlichkeit gegenüber 24 antibakteriellen Wirkstoffen untersucht. Für den Berichtszeitraum 2014/15 wurden insgesamt 4436 Isolate untersucht. Bei den Untersuchungsergebnissen ergibt sich ein teilweise recht unterschiedliches Bild. Bei den Erregern von Atemwegserkrankungen bei Nutztieren (Pasteurella multocida, Mannheimia haemolytica, und Actinobacillus pleuropneumoniae) liegen die Resistenzraten unter 15 Prozent. Auffällig war der Anstieg der Resistenzraten

von Bordetella bronchiseptica gegenüber Florfenicol von 3 auf 14 Prozent. Dies ist zwar immer noch eine günstige Resistenzrate, weist aber auf eine deutliche Veränderung hin. Auch bei den Erregern von Mastitiden beim Rind zeigten sich überwiegend noch gute Wirksamkeiten mit Resistenzraten von unter 25 Prozent. Eine Ausnahme stellen hier Steptokokken-Subspezies dar, bei denen die Resistenzrate für Tetracyclin bis zu 70 Prozent betrug. Deutliche höhere Resistenzraten fanden sich bei Erregern von Enteritiden und Hautinfektionen. Betroffen sind hierbei in erster Linie Bakterienspezies wie Escherichia coli und Staphylococcus aureus, die gegenüber vielen Antibiotika Resistenzraten von bis zu 70 % aufweisen. Auch die Häufigkeiten, wie oft MRSA gefunden werden, wurde untersucht. Dies ist von der Tierart abhängig. Am häufigsten wurden Resistenzen mit 21 Prozent beim Schwein und am seltensten bei Mastitis-Isolaten von Milchkühen nachgewiesen. Die GERM-Vet-Berichte stehen zur Ansicht online zur Verfügung.

BVL

14.09.2017: Schmidt sieht Wirkung des Antibiotika-Minimierungskonzeptes

Anlässlich der am Mittwoch vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit bekannt gegebenen Mengen von im Jahr 2016 an Tierärzte abgegebenen Antibiotika stellte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) fest, dass das Konzept zur Minimierung des Antibiotikaeinsatzes Wirkung zeige. Die Menge der abgegebenen Antibiotika hat sich seit 2011 mehr als halbiert. Auch wenn das Konzept wirke, werde an einer weiteren Minimierung des Antibiotikaeinsatzes gearbeitet. Insbesondere die Anwendung

sogenannter Reserveantibiotika müsse restriktiver werden. "Deshalb verfolgen wir in Deutschland den One-Health-Ansatz" (Human- und Tiermedizin). Eine Reduzierung des Einsatzes von Reserveantibiotika wird von uns auch mit dem Verordnungsentwurf zur Änderung der Verordnung über tierärztliche Hausapotheken verfolgt. Der genannte Verordnungsentwurf befindet sich derzeit bei der EU-Kommission in der Notifizierung" sagte Minister Schmidt.

BMEL

13.09.2017: Antibiotikamenge in der Tiermedizin weiter gesunken

Die in der Veterinärmedizin abgegebene Menge an Antibiotika ist in Deutschland im Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr weiter gesunken, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mitteilt. Demnach wurden im vergangenen Jahr 742 Tonnen an Tierärzte abgegeben. Im Jahr 2015 waren es noch 895 Tonnen. Verglichen mit dem Jahr 2011, ist die Menge sogar um 964 Tonnen gesunken. Damals wurden noch 1.706 Tonnen abgegeben. Die Reduktion im Jahr 2016 ist vor allem auf den weiteren Rückgang des Verbrauchs von Penicillinen und Tetracyclinen zurückzuführen. Alleine bei diesen beiden Wirkstoffklassen wurden gegenüber 2015 58 Tonnen weniger abgegeben. Bei den Cephalosporinen der 3. und 4.

Generation, die beide als besonders wichtig für die Behandlung des Menschen erachtet werden, ist ein leichter Rückgang von 3,6 auf 3,4 Tonnen zu verzeichnen gewesen. Auch die abgegebene Menge an Fluorchinolonen sank gegenüber dem Jahr 2015. Allerdings liegt hier die Menge immer noch über der Abgabemenge des Jahres 2011. Interessant ist auch die Karte des BVL, die zeigt, wie viele Antibiotika in bestimmten Regionen abgegeben wurden. Die angezeigten Bereiche zeigen die beiden ersten Ziffern der Postleitzahl, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass auch in Regionen mit besonders hoher Tierdichte wie z.B. im Raum Osnabrück, besonders viel Antibiotika abgegeben wurden.

BVL

13.09.2017: Kommunikation von Bakterien unterbinden

Auf Grund der zunehmenden Resistenzen von Bakterien gegenüber Antibiotika wird weltweit nach neuen Ansatzpunkten bei der Behandlung von bakteriell bedingten Infektionserkrankungen geforscht. Ein möglicher solcher Angriffspunkt ist dabei auch die Kommunikation der Bakterien untereinander, wie Experten des Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung berichten. Sie haben sich für ihre Untersuchungen den Erreger Pseudomas aeruginosa ausgesucht, der durch eine besondere Eigenschaft auffällt. Die Bakterien können sich in sogenannten Biofilmen zusammenschließen und sind dann durch

Antibiotika und das Immunsystem kaum noch zu bekämpfen. Deshalb gilt es die Bildung der Biofilme zu unterdrücken. Diese werden durch verschiedene Proteine hervorgerufen, die freigesetzt werden, wenn ein Schwellenwert an Bakterien in der Nähe ist. Die Forscher haben dafür das Protein PqsA genauer untersucht und seine Struktur aufgeklärt, da es an der Bildung der Biofilme beteiligt ist. Dies bietet die Möglichkeit, gezielt Hemmstoffe zu entwickeln, die die Bildung von Biofilmen unterbinden könnten.

idw

31.08.2017: Umweltverbände fordern grundlegenden Wechsel in der Agrarpolitik

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie der Naturschutzbund (NABU) haben gemeinsam einen grundlegenden Wechsel in der Agrarpolitik gefordert. Grundsätzlich sollten Fördergelder künftig so verteilt werden, dass die Landwirte Lebensmittel deutlich umweltfreundlicher und tierschutzgerechter erzeugen könnten. Dies entspreche auch dem Wunsch der Verbraucher. Die Verbände fordern dies angesichts gravierender Auswirkungen der Landwirtschaft auf Wasser, Böden, Tierwohl und Artenvielfalt. Die Verbände sehen die aktuellen Regelungen als gescheitert an. Die große Koalition hat es nach Ansicht von BUND-Vorsitzendem Hubert Weiger und NABU- Präsident Olaf Tschimpke in der aktuellen Legislaturperiode versäumt, entscheidende Schritte in Richtung einer naturfreundlicheren Landwirtschaft einzuleiten. Besonders in der Kritik steht dabei Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt

(CSU). Dieser hat nach Ansicht der Verbände das derzeitige System massiv verteidigt. Der Handlungsdruck sei mittlerweile allerdings groß. Dies zeige sich u.a. dadurch, dass rund 80 Prozent der Singvogelarten auf der Roten Liste stehen und das Grundwasser vielerorts mit Nitrat belastet ist. Die Verbände fordern daher, dass nach der Bundestagswahl mit einem Umbau der Landwirtschaft begonnen wird. Auch eine nationale Nutztierstrategie müsse bis zur Hälfte der Legislaturperiode verabschiedet werden. Grundsätzlich sollten in Deutschland weniger Nutztiere gehalten werden. Dafür sollten die Haltungsbedingungen dann deutlich verbessert werden. Als erste Schritte werden hier die Einführung einer verbindlichen staatlichen Haltungskennzeichnung sowie das Ende der Gabe von Reserveantibiotika im Stall und der Tötung männlicher Eintagsküken gefordert.

BUND

29.08.2017: Projekt zur Reduzierung von Antibiotika in der Schweinebesamung

Ein Bündnis von Partnern hat ein Forschungsprojekt auf den Weg gebracht, mit dem erforscht werden soll, inwieweit der Einsatz von Antibiotika im Rahmen der Konservierung von Schweinesperma reduziert werden kann. Bisher wird Antibiotika dem Schweinesperma im Rahmen der Konservierung zugefügt. Dies soll einerseits die Übertragung von Tierseuchen über das Sperma minimieren und andererseits den Keimgehalt im Sperma grundsätzlich reduzieren und so die Spermaqualität sicherstellen. In dem interdisziplinären Forschungsprojekt soll geprüft werden, ob das gleiche Ergebnis auch mit der Niedrigtemperaturkonservierung erreicht werden kann. Dann könnte der Einsatz von Antibiotika deutlich reduziert oder

bestenfalls sogar komplett eingestellt werden. Dabei ist nicht nur die Behandlung des Spermas von Bedeutung. Grundsätzlich sind dafür optimierte Abläufe vom Stall über die Spermaverarbeitung im Labor bis hin zur Auslieferung, Lagerung und Verwendung des Spermas notwendig. All dies wollen die Projekpartner Förderverein Bioökonomieforschung e.V., das Institut für Fortpflanzung landwirtschaftlicher Nutztiere Schönow e.V., die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung im Forschungsverbund Berlin e.V. sowie die Firma Minitüb im Rahmen von "AMIKOS" überprüfen. Das Projekt wird bis 2020 von der Landwirtschaftlichen Rentenbank gefördert.

Förderverein Bioökonomieforschung e.V.