Presseschau

27.01.2020: Schweden wirbt für nationale Antibiotikaminimierungsstrategie

Hohe Tierschutzauflagen erhalten eine hohe Produktivität und senken den Antibiotikaeinsatz bei Nutztieren. Zumindest ist dies in Schweden gelungen, wie die Leiterin des schwedischen Landwirtschaftsministeriums

Jennie Nilsson auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin mitteilte. In Schweden werden u.a. intakte Ringelschwänze bei Schweinen als ein Indikator für eine gesunde Schweinemast angesehen.

topagrar.de

20.01.2020: In Deutschland demonstrieren Tausende Bauern

Anlässlich der Eröffnung der Internationalen Grünen Woche in Berlin haben am vergangenen Freitag in Deutschland Tausende Landwirte für mehr Wertschätzung und bessere Bedingungen protestiert. In mehreren Städten gab es Traktoren-Demos und Sternfahrten, durch die viele Städte zeitweise lahm gelegt wurden, wie beispielsweise Berlin, Hannover, Bremen, Nürnberg, Kiel und Stuttgart. Initiator dieser Demos am Freitag war die Initiative "Land schafft Verbindung - Deutschland". Am Samstag trafen sich dann rund 30.000 Verbraucherinnen und Verbraucher sowie ökologisch

produzierende Landwirte zur Demo "Wir haben es satt" am Brandenburger Tor. Die Demonstranten forderten erneut die Agrarwende und mehr Unterstützung für kleine Bauernhöfe, artgerechte Tierhaltung, einen gerechteren Welthandel sowie einen geringeren Einsatz von Antibiotika und Pestiziden in der Landwirtschaft. Für die nächsten Tage sind weitere Bauernproteste geplant, wenn auch von anderen Organisatoren, was exemplarisch für die große Uneinigkeit unter den Landwirten bzw. der landwirtschaftlichen Verbände gesehen werden kann.

topagrar.de


Berliner Morgenpost

13.01.2020: FLI hat Desinfektionsrichtlinien überarbeitet

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat die bestehenden Richtlinien zur Desinfektion aufgrund aktueller Entwicklungen unter Mitarbeit von externen Experten neu überarbeitet. So sind neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zu Desinfektionsmaßnahmen in die Empfehlungen mit aufgenommen worden. Hintergrundinformationen zu Mitteln, Verfahren und Wirkungsweise biozider Stoffe sowie Checklisten wurden ergänzt. Zudem hat das FLI eine Handlungshilfe zur kontrollierten Verwendung nicht zugelassener Biozidprodukte veröffentlicht, wenn im Falle einer Gefahr für die Tiergesundheit ein derartiger Einsatz notwendig ist und eine Ausnahmeregelung erwirkt wurde. Aufgenommen wurden auch Veränderungen der DVG- Prüfmethodik. Die Bedeutung der DVG-Listung der als wirksam befundenen Desinfektionsmittel wurde

erneut unterstrichen. Neuerungen bzw. Ergänzungen finden sich auch in den Kapiteln zur Desinfektion von Räumen und Flächen, Einrichtungen, Gegenständen, Materialien und Fahrzeugen sowie zu Lüftungs- und Biogasanlagen oder Flüssigmist. Grund dafür ist die Entwicklung der komplexer werdenden technischen Systeme in der Tierhaltung. Neben Hinweisen zur Gewährleistung des Arbeitsschutzes wurden zudem Quellennachweisen für die Empfehlungen amtlich angeordneter Maßnahmen ergänzt. Die überarbeiteten Dokumente stehen als „Empfehlungen des Friedrich-Loeffler-Instituts über Mittel und Verfahren für die Durchführung einer tierseuchenrechtlich vorgeschriebenen Desinfektion“ über das Tierseuchennachrichtensystem (TSN) und auf der Internetseite des FLI zur Verfügung.

FLI Homepage


FLI-Empfehlungen

03.01.2020: Phagen zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen

Weltweit nehmen Antibiotikaresistenzen zu. WissenschaftlerInnen des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM in Braunschweig arbeiten aktuell mit verschiedenen Partnern an dem Projekt Phage4Cure, das die Bekämpfung der multiresistenten Keime mittels Viren, sogenannten Bakteriophagen, zum Ziel hat. Diese Viren dringen in Wirtsbakterien ein, vermehren sich dort und bringen dieses dann zum Platzen. Phagen haben keinen Einfluss auf Körperzellen und andere Bakterien, die nicht ihre Wirtsbakterien sind. Noch gibt es in Deutschland keine zugelassenen Phagenpräparate, daher wollen die Phage4Cure-Partner Phagen als neues Medikament etablieren. Ziel der ForscherInnen ist es, zunächst einen inhalierbaren Wirkstoffcocktail aus drei Bakteriophagen gegen das multiresistente Bakterium Pseudomonas aeruginosa zu entwickeln, das weltweit der häufigste bakterielle Verursacher von Lungenentzündungen bei Mukoviszidose- Patienten, aber auch von Harnwegsinfekten ist und sogar zu einer Blutvergiftung führen kann. Der neue "Wirkstoff" soll den europäischen Richtlinien für Arzneimittel genügen.

„Die Phagentherapie an sich ist nicht neu, in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion wurde sie jahrzehntelang erfolgreich eingesetzt. Doch hierzulande konnte sich diese individualspezifische Behandlung bislang nicht durchsetzen. Dies liegt insbesondere an den fehlenden klinischen Studien. Angesichts der Antibiotikaresistenzen rücken die Phagen jedoch immer mehr in den Fokus der Forschung, zumal die pharmazeutische Industrie keine neuen Antibiotika entwickelt“, erklärt Prof. Holger Ziehr, Projektleiter am Fraunhofer ITEM. „Unser Ziel ist es, Phagen als zusätzliche Therapie für verschiedene Infektionskrankheiten zu entwickeln – vor allem dort, wo Antibiotika nicht mehr wirken", so Ziehr weiter. Am Fraunhofer ITEM ist der Phagen-Herstellungsprozess mittlerweile etabliert. Im nächsten Schritt wird eine Erweiterung der seit mehr als 20 Jahren bestehenden Herstellungserlaubnis beantragt, um die drei Phagen und aus diesen anschließend den Cocktail als pharmazeutisch einsetzbaren Klinikprüfstoff produzieren zu können. Im Frühjahr soll im Hannoveraner Institutsteil des Fraunhofer ITEM die präklinische Forschung starten.

Fraunhofer-Institut

27.12.2019: Rund 30 neue Medikamente stehen vor der Zulassung

Für 2020 wird in der Humanmedizin mit einer Zulassung von rund 30 neuen Medikamenten gerechnet. Das teilte der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) mit. „Die forschenden Pharma-Unternehmen sind innovativ auf vielen medizinisch relevanten Gebieten. Für 2020 sind

insbesondere weitere neue Medikamente gegen verschiedene Krebsarten, aber auch mehrere neue Antibiotika zu erwarten. Aber auch für Patienten und Patientinnen mit vielen anderen Krankheiten wird es neue Behandlungsmöglichkeiten geben." Das sagte vfa-Präsident Han Steutel.

vfa

19.12.2019: Forscher modifizieren Krebsmedikament für MRSA-Therapie

Um den zunehmenden Antibiotikaresistenzen etwas entgegenzusetzen, haben Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und der Technischen Universität München (TUM) einen innovativen Ansatz zur Antibiotikaentwicklung genutzt. Sie haben ein zugelassenes Krebsmedikament, das auch eine moderate Wirkung gegen Bakterien hat, chemisch modifiziert und auf diesem Weg die antimikrobiellen Eigenschaften erheblich verbessert. Das resultierende Molekül PK150 beseitigt effektiv hartnäckige MRSA-Infektionen, ohne dass Resistenzen auftreten. „Unser Schwerpunkt lag hierbei auf einer Klasse von menschlichen Proteinen, sogenannten Kinasen, für die es bereits sehr viele Hemmstoffe gibt“, sagt Studienleiter Prof. Stephan Sieber, Professor für organische Chemie an der TUM und wissenschaftlich assoziiert mit dem Helmholtz-Institut

für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS). Der neue Wirkstoff wirkt gegen mehrere unkonventionelle Zielstrukturen bei den Bakterien. „Durch die chemischen Veränderungen an dem Molekül bindet PK150 auch nicht mehr an die menschlichen Kinasen, sondern wirkt sehr spezifisch gegen bakterielle Ziele“, erklärt der Forscher. „MRSA-Infektionen sind besonders häufig chronisch, da die Bakterien in eine Art Ruhezustand verfallen können. PK150 tötet auch diese persistierenden, also überdauernden Zellen sowie Keime, die sich geschützt in Biofilmen befinden. PK150 hat also zahlreiche Eigenschaften, die es zu einem hoffnungsvollen Antibiotikakandidaten machen“, sagt Sieber abschließend. PK150 wird derzeit von dem VIP+ geförderten Projekt aBACTER optimiert, um anschließend in die klinische Entwicklungsphase eintreten zu können.

Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

05.12.2019: Zu viel Antibiotika in der konventionellen Putenhaltung

In mehr als 40% des untersuchten Putenfleisches aus konventioneller Haltung sind im Jahr 2018 antibiotikaresistente Keime gefunden worden. Das sind viermal so viele Nachweise als in Putenfleischproben aus ökologischer Haltung. Hier waren 11% der Proben positiv für MRSA. Wie das Magazin Topagrar berichtet, fordert das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BLV) eine Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes in der Putenhaltung. Dr. Helmut Tschiersky, scheidender

Präsident des BLV, appelliert an die Geflügelhalter, einen größeren Wert auf die Gesundheit der Tiere zu legen. Das Institut hatte gut 760 Proben auf das methicillin-resistente Bakterium Staphylococcus aureus (MRSA) untersucht. Das Ergebnis sei alarmierend! Prof. Michael Kühne von der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz stellte ergänzend zu diesen Ergebnissen fest, dass es noch keine Ahndung von MRSA- Befunden gebe. Er sieht die Wissenschaft mit einer Grundlagenschaffung in der Pflicht.

Topagrar

29.11.2019: Leitungswechsel im BVL

Nach 11 Jahren Dienstzeit übergibt Dr. Helmut Tschiersky die Leitung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) an Friedel Cramer. Tschiersky übernimmt zum

1. Dezember 2019 die Leitung der Unterabteilung Produktsicherheit, Gesundheitlicher Verbraucherschutzfunktion im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

BVL

26.11.2019: TV-Tipp: Themenschwerpunkt multiresistente Keime im ZDF

Angesichts der steigenden Zahl von Krankheits- und Todesfällen durch multiresistente Keime beschäftigt sich das ZDF am heutigen Dienstag ab 20.15 Uhr in vier Sendungen mit dem Themenschwerpunkt Antibiotika und -resistenzen. Die "ZDFzeit"- Doku "Killerkeime - Wenn Antibiotika nicht mehr wirken" setzt sich mit dem realistischen, aber nicht realen Szenario auseinander, dass ein gegenüber allen gängigen Antibiotika resistenter Keim in einem Krankenhaus grassiert. Die Doku verdeutlicht, welchen Herausforderungen die Medizin in einem solchen Fall gegenübersteht. Ab 21 Uhr begibt sich das

„Frontal 21-Team“ auf Spurensuche nach Medikamentenrückständen in Abwasser, Flüssen und Seen, denn hierzulande gibt es nur wenige Klärwerke, die Arzneimittelrückstände eliminieren können, was bei Antibiotika gefährlich ist. Danach folgt um 22.15 Uhr "37°" mit "Der unsichtbare Feind - Ein Leben mit dem Keim". In dem Report geht es um zwei Frauen, die an einer chronischen Infektion leiden, die durch multiresistente Keime ausgelöst wurde. Abschließend fragt "Leschs Kosmos" um 22.45 Uhr: „Wer stoppt die Killerkeime? Neue Wege der Medizin". Die Sendungen sind auch alle in der ZDF-Mediathek zu finden.

ZDF

21.11.2019: Unerfreuliche Ergebnisse des Zoonose-Monitorings 2018

Die Ergebnisse des Zoonose-Monitorings sind beinahe durchweg unerfreulich und fallen schlecher aus als im Vorjahr. So liegen die Nachweisraten von Campylobacter spp. bei Masthähnchen unverändert auf einen hohem Niveau. Das ist eines der Ergebnisse des Zoonosen-Monitorings 2018. Demnach wurden knapp die Hälfte der Halshautproben von Masthähnchenschlachtkörpern (46,3 %) und der Proben von frischem Hähnchenfleisch (47,8 %) positiv auf Campylobacter getestet. Knapp ein Viertel der Schlachtkörper wies Campylobacter-Keimzahlen von über 1.000 KbE/g auf. Das zum vergangenen Jahr eingeführte Prozesshygienekriterium habe somit noch nicht zu einer nennenswerten Senkung der Campylobacter-Belastung bei Masthähnchen geführt, erklärte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin. Im Jahr 2017, vor Einführung des Prozesshygienekriteriums, hatten 22,7 % der Schlachtkörper den besagten Wert überschritten. Betrachtet man das Salmonellen-Monitoring, fällt das Ergebnis für 2018 noch deutlich unerfreulicher aus: In Halshautproben von Mastputenschlachtkörpern wurden in 22,7 % der untersuchten Proben Salmonellen nachgewiesen und damit fast doppelt so häufig nachgewiesen wie im Zoonosen-Monitoring 2016 (11,9 %). Die Tiere selbst waren dagegen nur selten Träger von Salmonellen (0,2 % positive Proben von Blinddarminhalt). Die Nachweisrate von Salmonellen in Proben von frischem konventionell erzeugtem Putenfleisch lag bei 4,0 % und damit ebenfalls etwas höher als im vorherigen Untersuchungsjahr (2,6 %). Steigende Kontaminationsraten von Schlachtkörpern bei geringer Belastung der Tiere verdeutlichen, dass Verbesserungen der Hygienepraktiken

bei der Geflügelschlachtung notwendig sind, da es offenbar zu Kreuzkontaminationen bzw. einer Verschleppung von Keimen aus der Schlachtumgebung auf die Schlachtkörper kommt. ESBL/AmpC-bildende E. coli wurden in etwa der Hälfte der untersuchten Kotproben aus konventionellen Mastputenbetrieben (51,8 % positive Proben) und in 37,6 % der Proben von konventionell erzeugtem Putenfleisch nachgewiesen. Im Vergleich hierzu waren Kotproben aus ökologisch wirtschaftenden Mastputenbetrieben und insbesondere Proben von ökologisch erzeugtem Putenfleisch mit Nachweisraten von 36,8 % bzw. 12,2 % deutlich seltener positiv für ESBL/AmpC-bildende E. coli. Die Ergebnisse der Antibiotikaresistenzuntersuchungen zeigen zudem, dass die Resistenzraten in den Lebensmittelketten Masthähnchen und Mastpute unter den Nutztieren am höchsten sind, was den im Vergleich zu Rindern und Schweinen häufigeren Einsatz von Antibiotika bei dieser Tiergruppe widerspiegelt. Auffallend ist, dass E.-coli-Isolate aus ökologischen Mastputenbetrieben und aus ökologisch erzeugtem Putenfleisch insgesamt deutlich niedrigere Resistenzraten (48,2 %) aufwiesen als die entsprechenden Isolate aus der konventionellen Produktion (77,3 %). Außerdem traten bei Isolaten aus der ökologischen Produktion seltener Multiresistenzen gegen drei oder mehr Substanzklassen auf als bei Isolaten aus Mastputenbetrieben und Putenfleisch der konventionellen Produktionsform (17,7 % vs. 42,9 %). Diese Unterschiede stehen vermutlich mit der im Vergleich zu konventionellen Tierhaltungen geringeren Therapiehäufigkeit mit Antibiotika in ökologischen Betrieben im Zusammenhang.

BVL