Produktion von Laborfleisch langfristig kostengünstiger

Mit der aktuellen Bewertung von Hähnchenfleisch aus dem Labor hat die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA einen Meilenstein gelegt. Demnach bewertet die FDA kultiviertes Hähnchenfleisch als genau so sicher wie konventionell erzeugtes. Angesichts des enormen ökologischen Fußabdrucks bei der konventionellen Fleischerzeugung sollte die Bewertung der Amerikaner ein Weckruf für die anderen Länder sein, wie Professor Nick Lin-Hi von der Universität Vechta in einem Interview mit Agrarheute erklärt. Lin-Hi forscht seit Jahren an seiner Uni zum Thema “Laborfleisch”. „Da bis 2050 auf globaler Ebene eine Steigerung der Fleischnachfrage um mindestens 60 Prozent erwartet wird, droht die konventionelle Fleischerzeugung zu einem der großen Sargnägel für die moderne Gesellschaft zu werden. Kultiviertes Fleisch hat einen deutlich geringeren ökologischen Fußabdruck – gegenüber Rindfleisch in der Größenordnung von etwa 90 Prozent – sofern die nötige Energie aus erneuerbaren Quellen stammt“, so der Experte. Auch wenn sich aktuell die Produktion von kultiviertem Fleisch noch im Stadium der Kleinserienproduktion befindet, sei aufgrund der Expotentialtechnologie mit einer schnell wachsenden Produktion zu rechnen, so Lin-Hi. „Die Erzeugung von kultiviertem Fleisch könnte langfristig in der Tat günstiger sein als bei konventioneller Produktion. Durch den Wegfall des Dreiklangs aus Aufzucht, Mästung und Schlachtung wird die Wertschöpfungskette stark verkürzt. Und kürzere Wertschöpfungsketten bedeuten typischerweise geringere Kosten“, erklärt der Forscher weiter. Auch könnten die VerbraucherInnen schon in naher Zukunft mit kultiviertem Rind- und Schweinefleisch rechnen. Da Laborfleisch in Europa unter die Novel Food Regulation fällt, müssen die Produkte ein Zulassungsverfahren durchlaufen. Ein Verfahren, für das es aktuell von Seiten der EU noch nicht einmal einen Antrag auf die Zulassung gäbe, sodass noch Jahre vergehen könnten, bis das Fleisch regulär im Supermarkt zu finden sei, kritisiert Nick Lin-Hi. „Wenn kultiviertes Fleisch die Versprechen in Bezug auf Nachhaltigkeit, Gesundheit, Tierwohl und Preis auch nur halbwegs einhält, dann dürfte es langfristig die konventionelle Tierhaltung zur Erzeugung von Lebensmitteln verdrängen“, erklärt der Professor abschließend.

Prof. Nick Lin-Hi wird auch auf der Futura.VET näher auf den Wandel der Lebensmittel- und Ernährungsindustrie eingehen. Hier referiert der Experte am 16. Februar 2023 über „die Zukunft der Ernährung: Fleisch und Milch aus dem Labor als Gamechanger“. TierärztInnen, die heute das Türchen Nr. 20 des Vetion-Adventskalenders öffnen, haben zusätzlich und nur heute die Chance, eine von zwei Gratis-Live-Teilnahmen an der Futura.VET zu gewinnen!

Agrarheute

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