Thema des Monats – DVG-Symposium

Interaktives Symposium zur Antibiotikatherapie – „Von der Probe über das Antibiogramm zum Therapieerfolg“

Was sind eigentlich Resistenzen gegen Antibiotika? Wie können sie verbreitet werden? Wie kann ich herausfinden, ob eine Infektionserkrankung durch resistente Bakterien verursacht wird? Was passiert auf Laborebene und wie werden die gewonnenen Ergebnisse ausgewertet? Und welche Konsequenz hat das letztendlich auf die Behandlungsstrategie?

Um diese Fragen ging es beim Symposium des Arbeitskreises „Antibiotika-Resistenz“ der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) im Rahmen des Vet-Congresses am 14.11.2015 im Estrel Convention Center in Berlin. Mit dem Thema „Von der Probe über das Antibiogramm zum Therapieerfolg“ sollte das Interesse praktischer Tierärzte geweckt werden. Und tatsächlich fanden sich unter den zahlreichen Zuhörern Klein- und Großtierärzte, aber auch Vertreter der Bundestierärztekammer, verschiedener veterinärmedizinischer Fakultäten, aber auch der Bundesinstitute, wie z.B. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Nach einleitenden Worten durch Manfred Kietzmann von der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover der die Moderation des Symposiums übernommen hatte, übergab er das Wort an Stefan Schwarz vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Mariensee. Schwarz leitet den Arbeitskreis „Antibiotika-Resistenz“ und widmete seinen Vortrag den Grundlagen der Entstehung und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen. Darin erläuterte er die unterschiedlichen Mechanismen und Vielzahl an Wegen, die Bakterien gefunden haben, um sich gegenüber antimikrobiellen Wirkstoffen zu verteidigen. Er betonte, dass die Entwicklung von Resistenzen als ein evolutionäres Prinzip verstanden werden kann, welches eine erfolgreiche bakterielle Anpassung an Umweltbedingungen wiederspiegelt. Deshalb sei auch das über 200 Jahre alte Zitat des englischen Mediziners Heberden noch immer aktuell, der sagte: „New medicine and new methods of cure always work miracles – for a while“. Was bedeute, dass auch der Einsatz neu entwickelter Pharmaka selbstverständlich einen Selektionsdruck auf Bakterienpopulationen ausübe, wodurch wiederum in voraussehbarer Zeit Resistenzen auftreten würden. Diese Entwicklung wäre unaufhaltsam, sie könne nicht gestoppt, aber durchaus verlangsamt werden, indem antimikrobielle Wirkstoffe verantwortungsvoll eingesetzt würden. Wenn das nicht geschehen würde, könnte das Auftreten von sogenannten „Super Bugs“, die sich durch die vorhandenen Antibiotika nicht mehr behandeln ließen, bald keine Fiktion mehr sondern der Beginn der postantibiotischen Ära sein, machte Schwarz deutlich.

Die warnenden Worte im Ohr wurde die Aufmerksamkeit des Auditoriums durch Karl-Heinz Waldmann, Klinik für kleine Klauentiere, und Michael Fehr, Klinik für Kleintiere, beide von der TiHo Hannover, auf Besonderheiten und Anforderungen an Probennahme und –versand für die Erstellung von Empfindlichkeitstestungen geleitet. Dabei stellten sie zwei praktische klinische Fälle vor: Bronchopneumonie in einem Schweinebestand, verursacht durch Pasteurella multocida, und eine Pyodermie durch Staphylococcus pseudintermedius beim Hund. Diese beiden Fälle wurden in den folgenden Vorträgen immer wieder als praktische Beispiele aufgegriffen, um neben den Grundlagen einen klinischen Bezug zu schaffen.

Anschließend erläuterte Corinna Kehrenberg vom Institut für Lebensmittelqualität und-sicherheit der TiHo Hannover Methoden der Erstellung eines Antibiogramms. Sie ging dabei detailliert auf den Agardiffusionstest, den sog. „E-Test“ (einer streifenbasierten Modifikation des Agardiffusionstests) und dem Bouillon-Mikrodilutionstest ein. Die Bewertung der Ergebnisse eines Antibiogramms waren dann das Thema von Heike Kaspar, vom BVL, und Andrea Feßler, vom FLI in Mariensee. Moderator Kietzmann schloss die beiden Vorträge mit dem Fazit, dass eine Diagnostik nicht im Küchenlabor stattfinden sollte, sondern für valide Ergebnisse eine bakteriologische Untersuchung und Empfindlichkeitstestung immer unter Einhaltung von Standards durchgeführt werden müsse.

Für eine interaktive Einbindung der Zuhörerschaft mit viel Diskussionspotential sorgte der letzte Beitrag des Symposiums, von den beiden Pharmakologen Angelika Richter und Manfred Kietzmann. Die beiden Referenten widmeten sich dem Thema der pharmakologischen und klinischen Bewertung der Ergebnisse des Antibiogramms. Interessant war die Interaktion zwischen Richter & Kietzmann und dem Auditorium, dabei stellten praktische Tierärzte vor allem Fragen mit klinischem Bezug: „Was sollen wir Praktiker nun machen?“, „Warum lässt die Wissenschaft uns wie im Regen stehen‘?“ oder „Welche Dosisangabe sollte gewählt werden, wenn wissenschaftliche Empfehlungen stark von Herstellerangaben abweichen?“. Die Forderung nach einer für den Praktiker nützlichen Einteilung von Antibiotika, bei der unterschieden wird zwischen „unbedenklichen Wirkstoffen mit geringer Resistenzförderung“, „Alternativen dazu“ und „Reserveantibiotika“ wurde unter anderem kritisch diskutiert. Dabei betonten Praktiker aus dem Publikum, dass Therapieempfehlungen für einzelne Indikationen die Wahl eines geeigneten Antibiotikums in der täglichen Arbeit deutlich erleichtern würde, z.B. als Ampelsystem aufgeführt in den Antibiotika-Leitlinien. Außerdem wiesen Vertreter vom BVL in der Zuhörerschaft auf die Notwendigkeit der Meldungen von Pharmako(un-)wirksamkeiten durch behandelnde Tierärzte hin. Dr. Susanne Platt, Chefredakteurin des Deutschen Tierärzteblattes, unterstrich das und empfahl ein entsprechendes Formular zur Meldung auf der Seite der Bundestierärztekammer, welches eine zeitunabhängige Meldung jederzeit ermögliche. Diesbezüglich sollten Tierärzte alles melden, was ihnen auffiele: „Die Relevanz [dabei] ist total irrelevant!“ - die Einordnung und Bewertung erfolge dann von den entsprechenden Stellen.

Das Forrmular finden Sie auf den Seiten der BTK unter http://www.bundestieraerztekammer.de/index_btk_uaw.php

Die Beiträge des Symposiums sind veröffentlicht im Tagungsband "DVG Vet-Congress 2015": 61. Jahreskongress der DGK-DVG inkl. AG Lasermedizin / Ak Antibiotikaresistenz, Berlin 2015“ (ISBN 978-3-86345-278-0) und können bei der DVG bestellt werden (35,- € inkl. MwSt. zzgl. Versand).

Zur Bestellung

Referenten:

Prof. Dr. Michael Fehr, Klinik für Kleintiere, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Dr. Andrea Feßler; Institut für Nutztiergenetik am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Neustadt-Mariensee

Dr. Heike Kaspar; Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Berlin

Prof. Corinna Kehrenberg; Institut für Lebensmittelqualität und-sicherheit, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Prof. Manfred Kietzmann; Institut für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Prof. Angelika Richter; Institut für Pharmakologie, Pharmazie und Toxikologie, Universität Leipzig

Prof. Dr. Stefan Schwarz; Institut für Nutztiergenetik am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Neustadt-Mariensee

Prof. Dr. Karl-Heinz Waldmann, Klinik für kleine Klauentiere, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover