Thema des Monats – Theo Mantel

„Es ist alles im Umbruch, was unseren Berufsstand prägt“

In seinem Bericht zur Lage sprach sich der BTK-Präsident Prof. Dr. Theo Mantel deutlich für die Notwendigkeit der Antibiotikaminimierung aus, um die Resistenzproblematik nicht weiter zu verschärfen. Lesen Sie hier einen Auszug aus seiner Rede auf der Hauptversammlung am 30. Oktober 2015 beim Deutschen Tierärztetag in Bamberg.

„Der Verbrauch von Antibiotika ist bereits im Vorfeld der Umsetzung der 16. AMG-Novelle deutlich zurückgegangen: innerhalb von drei Jahren um 468 Tonnen, also um 27 Prozent. Problematisch dabei ist der gestiegene Verbrauch von Fluorchinolonen. Dafür müssen wir Erklärungen finden! Der Arzneimitteleinsatz in der Nutztierhaltung ist zum Politikum geworden. Dennoch dürfen die Akteure in der jetzigen Situation den Blick nicht nur auf Antibiotika richten. Man darf das Ziel, die Resistenzentwicklung zu stoppen, nicht aus den Augen verlieren. Antibiotika einzusparen darf nicht zum Selbstzweck werden. Die Tierärzteschaft muss es schaffen, durch qualifizierte Beratung auf Fortschritte bei der Tierhaltung hinzuwirken. Die Entwicklung hängt davon ab, ob es gelingt, die Tiergesundheit zu verbessern. Andernfalls kann eine Senkung des Verbrauchs nur durch den Einsatz von „Reserveantibiotika“, durch Verzicht auf Behandlungen, durch Tiertötungen, mit einem blühenden Schwarzmarkt, mit der Schließung von kleinen Höfen oder mit Umweltbelastungen und zulasten der Schlachtqualität erkauft werden. Das kann niemand wollen, denn es löst das Resistenzproblem nicht und ist größtenteils illegal. Praktizierende Tierärzte und Überwachungsbehörden haben eine hohe Verantwortung übertragen bekommen. Sie geraten dadurch in das Spannungsfeld, die fachlich richtige Behandlung durchzuführen, auch wenn Landwirte im Hinblick auf die Therapiehäufigkeit Druck ausüben. Dies erfordert auch eine Solidarität in der Tierärzteschaft, sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen.¬ Denn von heute auf morgen werden sich die Rahmenbedingungen nicht ändern lassen. Die Senkung des Antibiotikaverbrauchs muss behutsam und fachlich fundiert erfolgen, um nicht das Gegenteil zu erreichen. Die Forschung muss dafür die Voraussetzungen schaffen. Auch die Diagnostik muss verbessert werden. Eine regelmäßige verpflichtende tierärztliche Bestandsbetreuung sollte vom Staat vorgeschrieben und gefördert werden. Die Überwachungsbehörden müssen personell und finanziell in die Lage versetzt werden, ¬ihren Aufgaben nachzukommen. Die Kollegen in den Behörden müssen darauf achten, dass die Tiere vernünftig gehalten und auch behandelt werden, wenn sie krank sind. Und die in der Nutztierhaltung tätigen Tierärzte müssen zu allen Aspekte des Antibiotikaeinsatzes und Arzneimittelrechts stets auf dem neuesten Stand sein. Hierzu eignet sich das Projekt VetMAB, das aktuell von der Akademie für tierärztliche Fortbildung (ATF), der Tochter der BTK, umgesetzt wird. VetMAB bietet u. a. interaktive Fortbildungen mit dem Ziel, den Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung zu minimieren. Durch Fördergelder ist diese Fortbildungsreihe zunächst kostenlos. Mitwirkende sind derzeit das Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen der Freien Universität Berlin, Vetion.de und die ATF. Solch eine systematische Fortbildung zum Thema Antibiotika ist meiner Meinung nach überfällig. Mit diesem Angebot können wir ¬einen noch größeren Teilnehmerkreis erreichen und auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten. Kontinuierliche Fortbildung ist ein Grundpfeiler für einen sorgfältigen Umgang mit Tierarzneimitteln. In der vorgestrigen Delegiertenversammlung habe ich mich über die Entgleisungen der Berichterstattung in den Medien zum Thema Antibiotika echauffiert. Das will ich hier nicht wiederholen. Es ist en vogue das Resistenzproblem zu vereinfachen und mit der sogenannten Massentierhaltung zu verknüpfen. Forderungen, das Dispensierrecht abzuschaffen, den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung zu halbieren und Reserveantibiotika für die Humanmedizin zu reservieren, werden immer wieder erhoben, von den Bündnisgrünen und der SPD, von den Medien, von der Humanmedizin, von EU-Parlamentariern, von Landespolitikern und von Unzufriedenen auch aus den eigenen Reihen. Erfreulicherweise ist die Arbeit der Bundesregierung im Bereich des Veterinärwesens insgesamt von Sachlichkeit und Gründlichkeit geprägt. Ich bin davon überzeugt, dass die BTK zu dieser Sachlichkeit ihren Beitrag durch Initiativen, Gespräche und Stellungnahmen zur Resistenzproblematik, zum Dispensierrecht und zu Tiergesundheitsfragen geleistet hat.“

(Die komplette Rede können Sie im Deutschen Tierärzteblatt – Ausgabe: 12/2015, 1716-1722 - nachlesen.)