Thema des Monats – Antibiotikaresistenzen in Lebensmitteln

Antibiotikaresistenz in der Lebensmittelkette

Am 02. und 03. November 2015 lud das Bundesinstitut für Risikobewertung zum Symposium „Antibiotikaresistenz in der Lebensmittelkette“ nach Berlin-Marienfelde ein. Das Auditorium erwarteten nicht nur Vorträge von nationalen und internationalen Wissenschaftlern aus der Human- und Veterinärmedizin, sondern auch von Vertretern von Landwirtschaftsverband, Landeslabor und Ministerium. Somit war eine kritische Auseinandersetzung und vielseitige Betrachtung des Symposium-Titels gewährleistet.

Nach einleitenden Grußworten eröffnete Tim Eckmanns, Leiter der Fachgruppe „Nosokomiale Infektionen, Surveillance von Antibiotikaresistenz und –verbrauch“ am RKI, die Vortragsreihe mit der Aussage, dass Antibiotikaresistenz nicht mehr nur ein Forschungsbereich für Wissenschaftler sei, sondern es sogar auf die Agenda ins Schloss Elmau zum G7-Gipfel geschafft habe - auch die mächtigsten Staatsmänner (und –frauen) widmen sich inzwischen der Thematik. In Deutschland sei die Situation zwar nicht dramatisch, hingegen global betrachtet schon besorgniserregend. Jedoch warnte er vor Dramatisierungen. Eckmanns berichtete von einem europaweiten Rückgang von MRSA-Fällen seit 2011 im Krankenhaus- und Ambulanzbereich. Anders sehe es hier jedoch mit Infektionen durch ESBL-E.coli oder ESBL-Klebsiella pneumoniae aus, denn diese stiegen in ganz Europa kontinuierlich an. Therapeutisch bliebe bei Infektionen mit gram-negativen ESBL-Bildnern in der Regel nur die Behandlung mit Carbapenem-Antibiotika und so erschrecke es besonders, dass in Griechenland 70% aller nachgewiesenen Klebsiella pneumoniae Carbapenem-resistent sind.

Ein Schwerpunkt des Symposiums lag im Bereich der Produktion tierischer Lebensmittel, insbesondere von Geflügel- und Schweineerzeugnissen. Das Programm wurde abgerundet mit Vorträgen zu den Grundlagen der Entstehung und Verbreitung von Resistenzen und Fallberichten mit praktischen Bezügen und labordiagnostischen Einblicken aus Human- und Veterinärmedizin. Auch gesetzliche Regelungen wurden kritisch diskutiert. Dazu gehörte auch die Erfassung der Therapiehäufigkeit nach dem Arzneimittelgesetz im Zuge der 16. AMG-Novelle. Vergleichend zum Benchmarking in Deutschland, bei dem Landwirte die Anwendung von Antibiotika den zuständigen Behörden melden müssen, wurde das sogenannte Tierärzte-Benchmarking in den Niederlanden vorgestellt. Durch öffentlichen Druck auf die Politik wurde 2007 ein striktes Programm zur Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes in den Niederlanden eingeführt. Das führte dazu, dass der Antibiotikaverbrauch bei Nutztieren bereits 2013 auf nur noch die Hälfte und 2015 sogar um 70% im Vergleich zu 2007 reduziert wurde. Dik Mevius vom Central Veterinary Institute in den Niederlanden berichtete von den Vor- und Nachteilen dieses strikten Reduktionsprogrammes. Der Erfolg zeige sich insbesondere im deutlichen Rückgang von Resistenzen in Lebensmittel-assoziierten Pathogenen von Humanisolaten. Insbesondere Isolate von ESBL-E.coli würden zunehmend weniger in Fleisch von Masthähnchen nachgewiesen. Hingegen habe der verringerte Einsatz von Antibiotika kaum einen Effekt auf die Nachweisraten von Salmonellen und Campylobacter-Spezies gehabt. Der Grund hierfür sei noch unklar und womöglich komplexer als bisher angenommen.

Der Einsatz von Antibiotika wurde nicht nur als prädisponierender Faktor für Resistenzentwicklungen, sondern vor allem für die Kolonisation und Infektion mit bestimmten Erregern beschrieben. Auch das Reisen vor allem in südostasiatische Länder, in denen Antibiotika weniger restriktiv als in westlichen Ländern eingesetzt werden, wurde als wichtiger Risikofaktor für die Verbreitung von resistenten Erregern beschrieben. Daneben wurde hervorgehoben, dass ein gutes Hygienemanagement essentiell sei, um die Ausbreitung von Erregern zu verhindern - sowohl in Krankenhäusern als auch innerhalb der tierischen Lebensmittelkette und in der landwirtschaftlichen Gemüseproduktion.

Trotz der unterschiedlichen Fachrichtungen zog sich eine Aussage wie ein roter Faden durch die Vorträge: jeder Einsatz von Antibiotika übt einen gewissen Selektionsdruck aus und begünstigt das Auftreten von Resistenzen. Durch eine Verringerung des Antibiotikaeinsatzes sinkt der Selektionsdruck, was einen positiven Effekt auf die aktuelle Resistenzproblematik haben wird. Es geht dabei nicht um das Reduzieren um des Reduzierens Willen, sondern um die Verbesserung der Gesundheit von Tier und Mensch!

Für weitere Informationen empfehlen wir Ihnen den nachfolgenden Link: www.bfr.bund.de