Bakteriophagen im Einsatz gegen antibiotikaresistente Bakterien

Antibiotikaresistenzen entwickeln sich immer mehr zu einer ernsten gesundheitlichen Bedrohung der Weltbevölkerung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet dies inzwischen als „Stille Pandemie“, denn die Zahl der weltweiten Todesfälle im Zusammenhang mit antibiotikaresistenten Bakterien geht jedes Jahr in die Hunderttausende. Helfen könnten sogenannte Bakteriophagen – Viren, die sehr spezifisch bestimmte Bakterien befallen. Die Viren schleusen ihre DNA in die Bakterien ein, vermehren sich dort und töten sie ab. Einem Forschungsteam um Prof. Gil Westmeyer von der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, ein neues Verfahren zur kontrollierten Herstellung von Bakteriophagen zu entwickeln. Die notwendige biotechnologische Plattform-Technologie für bakteriophagen-basierte Medikamente liefert Invitris, ein Start- up, das aus einer Gruppe Studierender der TUM und der Ludwig- Maximilians-Universität (LMU) München entstanden ist.

Dreh- und Angelpunkt der neuen Technik ist eine spezielle Nährlösung, in der sich Bakteriophagen bilden und vermehren. Diese besteht aus einem E. coli-Extrakt und enthält keine lebensfähigen Zellen. Damit unterscheidet sie sich grundlegend von bisherigen Methoden zur Bakteriophagen-Gewinnung: Traditionell wurden Zellkulturen mit potenziell infektiösen Bakterienstämmen verwendet. „Unsere Untersuchungen zeigen, dass es möglich ist, zellfrei wirksame Bakteriophagen für eine personalisierte Medizin herzustellen, mit der sich auch Infektionen mit multiresistenten Keimen therapieren lassen“, so Westmeyer. Für die neuen Forschungen an der TUM wird nun diese Nährlösung genutzt. „Die Herstellung ist nicht nur schnell und effizient, sondern auch sehr sauber – Kontaminationen durch bakterielle Toxine oder andere Bakteriophagen, die in Zellkulturen möglich waren, sind in diesem Verfahren ausgeschlossen“, betont der Münchener Forscher abschließend.

TUM

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